2-3. Erneuerung aus der Apotheke?

Bewegung ist der Schlüssel zu geistiger Gesundheit


Mit zunehmendem Alter nimmt Bewegung in der Regel ab – sie wird einseitiger, weniger koordinativ und oft monoton. Gleichzeitig zeigen sich bei vielen Menschen erste Anzeichen einer Alzheimer-Erkrankung. Diese werden jedoch häufig ignoriert oder als vermeintlich „normale“ Alterserscheinungen abgetan. Doch sie sollten ernst genommen werden, denn sie können Vorboten einer demenzbedingten Pflegebedürftigkeit sein.

Lecanemab und Donanemab: allenfalls eine unterstützende Wirkung

Nun erwecken Medienberichte über neue Medikamente einen „Hoffnungsschimmer“. Vielen älteren Menschen wird dadurch suggeriert, dass es im Falle einer eigenen Betroffenheit endlich ein wirksames Mittel zur Heilung gibt. So ist es aber nicht, denn diese sogenannten Antikörpertherapien haben nur eine unterstützende Wirkung. Wird die Antikörpertherapie jedoch gezielt mit komplexer, koordinativ anspruchsvoller Bewegung kombiniert, können messbare Fortschritte erzielt werden.

Dieses System, das einerseits auf die Reduktion schädlicher Proteinablagerungen im Gehirn abzielt („Clearing der Amyloidplaques“), und andererseits auf vielfältige, den Geist fordernde Aktivitäten setzt, könnte den entscheidenden Durchbruch zu dauerhafter geistiger Gesundheit bringen.

Für die Betroffenen selbst bedeutet das eine enorme Herausforderung, für die es viel Motivation braucht. Sie müssten dann nämlich etwas tun, das sie in den Jahren, bevor die Krankheit manifest wurde, versäumt haben: körperlich aktiv sein. Sie müssten, sozusagen, wieder auf den alten Füßen laufen.

Die Grenzen der neuen Medikamente

Im Jahr 2025 gab die Europäische Arzneimittel-Agentur grünes Licht für die Wirkstoffe Lecanemab und Donanemab. Die Wirksamkeit der beiden Arzneimittel ist sehr begrenzt. Zudem treten bei einem Großteil der Behandelten erhebliche Nebenwirkungen auf. Das wissenschaftliche Fazit fällt bislang nüchtern aus: Die Präparate werden allenfalls als erster Schritt auf einem langen Weg gesehen – hin zu einem möglichen Medikament, das eines Tages die zerstörerischen amyloiden Plaques im Gehirn tatsächlich nachträglich auflösen könnte.

Selbst wenn das gelingt und es eines Tages ein Medikament gibt, das die Plaques vollständig auflöst, wäre noch nichts gewonnen. Alzheimer-Patienten können sich nämlich nur dann berechtigte Hoffnung auf eine Besserung machen, wenn sie zusätzlich bereit sind, sich regelmäßig zu bewegen.

Wenn Nervenzellen verklumpen, sterben ihre Verbindungen

Wenn Nervenzellen verklumpen, zerfallen ihre Dendriten, also die feinen Zellfortsätze, über die sie Signale empfangen und weiterleiten. Ihre Struktur wird zerstört und anschließend von Gliazellen abgebaut. Die Nervenzelle verliert so ihren Nutzen.

Ein Neuron besitzt 5 bis 15 Hauptdendriten, die sich in Hunderte bis Tausende feine Äste verzweigen. Diese Verbindungen gehen beim Absterben der Zelle verloren und müssen – selbst wenn die Nervenzelle wiederhergestellt ist – neu aufgebaut werden und Neurologen betonen, dass Bewegung dabei eine entscheidende Rolle spielt. Sie fördert die Dichte der Dendriten und die Synaptogenese – also die Bildung und Stärkung neuer Synapsen.

Besonders Aktivitäten wie Tanzen oder Mannschaftssport aktivieren mehrere Hirnregionen gleichzeitig. Dadurch entsteht eine verstärkte Vernetzung zwischen motorischen und kognitiven Arealen. Bewegung sollte also im Alter weder weniger noch einfacher werden – sie bleibt in jedem Lebensalter der Schlüssel zu geistiger Gesundheit, Lecanemab und Donanemab hin oder her.


Tabula rasa

Der menschliche Geist verfügt über keine angeborenen Kenntnisse; er gleicht zu Beginn des Lebens einer unbeschriebenen Tafel. Bis zu 90 % der Neuronen sind bei der Geburt nicht oder nur schwach vernetzt. Die Fähigkeit, Bewegungen zu koordinieren und geistige Leistungen zu erbringen, ist daher anfangs kaum vorhanden.

Doch Kinder besitzen einen natürlichen Bewegungsdrang – und indem sie ihm folgen, wachsen und gedeihen Dendriten und Synapsen. Mit der zunehmenden Vernetzung der Nervenzellen entfalten sich auch die kognitiven Fähigkeiten: Das „Beschreiben der Tafel“ beginnt.

Tabula rasa des Alters

Im Alter zeigt sich eine neue Variante dieser „unbeschriebenen Tafel“. Durch Medikamente, die zerstörte Nervenzellen wieder funktionsfähig machen, könnte ein Zustand entstehen, der an den kindlichen Neubeginn erinnert. Sind etwa 10 % der 80 Milliarden Neuronen durch amyloide Plaques zerstört, spricht man vom Anfangsstadium der Alzheimer-Krankheit. In diesem Stadium sind bereits koordinative und kognitive Fähigkeiten stark beeinträchtigt.

Hier stellt sich die Frage: Was kann ein Gehirn leisten, in dem acht Milliarden zuvor zerstörter Neuronen durch Medikamente wieder gesund geworden sind?

Da mit der Zerstörung der Nervenzellen auch deren unzählige Dendriten und Synapsen verloren gingen, sind die Funktionen von Bewegung und Kognition zunächst nicht automatisch wiederhergestellt. Medikamente können die Zellen regenerieren, nicht aber ihre Verbindungen. Erst durch gezielte, regelmäßig ausgeübte Aktivitäten lassen sich die neuronalen Netzwerke neu aufbauen, wodurch in der Folge auch geistige Fähigkeiten wiedergewonnen werden können.

Wie viele gesunde Nervenzellen braucht es, um geistig gesund zu bleiben?

Unweigerlich stellt sich die Frage: Braucht der Mensch tatsächlich alle 80 Milliarden Nervenzellen, um geistig gesund zu bleiben – oder reichen auch weniger? Neurologen geben eine überraschende Antwort: „Ja, grundsätzlich kann man mit etwa 90 % der ursprünglichen Nervenzellen geistig völlig gesund bleiben – vorausgesetzt, das Gehirn wird aktiv gefordert und trainiert.“

Sie nennen dafür drei zentrale Gründe:

1. Das Gehirn hat enorme Reserven. Es ist hochgradig redundant aufgebaut – mit weit mehr Nervenzellen und Synapsen, als für Alltagsfunktionen nötig sind. Selbst wenn 10 % oder mehr verloren gehen, kann das Gehirn Aufgaben umverteilen und kompensieren. Erst wenn kritische Netzwerke (z. B. im Hippocampus oder präfrontalen Kortex) stark geschädigt sind, treten deutliche Einbußen auf.

2. Plastizität: Das Gehirn kann sich anpassen. Bis ins hohe Alter bleibt das Gehirn neuroplastisch – es kann neue Verbindungen bilden, bestehende Netzwerke umorganisieren und in begrenztem Umfang sogar neue Nervenzellen erzeugen, vor allem im Hippocampus. Mentale und körperliche Aktivität fördern genau diese Mechanismen.

3. Koordinativ anspruchsvolle Aktivitäten sind besonders wirksam. Aktivitäten, die Bewegung, Denken, Feinmotorik und Aufmerksamkeit kombinieren, wirken wie ein Hochleistungstraining für das Gehirn. Beispiele sind Tanzen mit neuen Schrittfolgen, Musizieren, Gleichgewichts- oder Koordinationsübungen sowie das Erlernen neuer Sprachen oder Bewegungsabläufe. Diese fördern die Synapsenbildung, Durchblutung und Ausschüttung von Wachstumsfaktoren – und reduzieren Stress, der Nervenzellen schädigt.

Ja – ein Mensch kann mit etwa 90 % seiner ursprünglichen Nervenzellen geistig völlig gesund und leistungsfähig bleiben. Entscheidend ist, dass das Gehirn regelmäßig gefordert wird, genügend Schlaf, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung bekommt – und dass chronischer Stress möglichst vermieden wird. Denn die Qualität der Vernetzung ist wichtiger als die reine Zahl der Nervenzellen. Nicht wie viele Neuronen du hast, zählt – sondern wie gut sie miteinander reden. Oder, wie Neurologen es formulieren: nicht wie viele Milliarden Nervenzellen du hast, zählt, sondern wie viele Billionen reibungslos interagierende Dendriten.

Der Erfolg einer medikamentösen Therapie häng ab von Art und Umfang der Bewegung.

Als die neuen Alzheimer‑Medikamente zugelassen wurden, hieß es, sie könnten den Krankheitsverlauf verzögern. Doch selten wurde erklärt, was „Verzögerung“ für den Einzelfall konkret bedeutet. Es handelt sich nicht um eine fixe Zeitspanne, sondern um ein Ergebnis, das wesentlich vom Verhalten der Betroffenen mitbestimmt wird.

Entscheidend ist, wie aktiv jemand bleibt, während er die Therapie erhält. Je intensiver und vielseitiger die körperliche Betätigung — und je komplexer die koordinativen Anforderungen —, desto eher können pharmakologische Effekte stabilisiert und verlängert werden. Bewegungsformen, die Koordination, Gleichgewicht und Aufmerksamkeit gleichzeitig beanspruchen, aktivieren Netzwerke, die Medikamente allein nicht wiederherstellen.

Medikamente können Prozesse bremsen, doch ob die Verzögerung tragfähig ist, hängt vom eigenen Handeln ab. Das Gehirn erneuert sich durch Aktivität — und genau hier liegt die Chance, die pharmakologische Verzögerung in nachhaltige Nutzen zu überführen.

Fazit:

Das Potenzial für einen Patienten in der Vorstufe der Altersdemenz, seine geistige Gesundheit wieder zu erlangen bemisst sich an dessen Bereitschaft nach den Erforderlichkeiten seiner neuronalen Schädigungen sich körperlich zu betätigen.


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2-2. Wie tickt das Gehirn

Koordination, Kognition und Erneuerung

Zumeist wird das Gehirn in Regionen, denen unterschiedliche Funktionen zugeordnet werden, eingeteilt. Für die Fragen nach geistiger Gesundheit im Alter und zur Vorbeugung von Alzheimer ist eine Einteilung in seine Arbeitsweisen hilfreich. Und Arbeitsweisen kennt das Gehirn genau drei: Koordination, Kognition (die Arbeitsweisen des Tages) und Erneuerung (die Arbeitsweise der Nacht).

1. Koordination: was ich körperlich zu leisten vermag

Die Arbeitsweise Koordination ist jene, für die das Gehirn aller Lebewesen entstanden ist. Sie ermöglicht ihnen, die unzähligen Muskeln so zu koordinieren, dass sich der Körper in der gewünschten Weise bewegt. Dazu braucht es die Netze innerhalb des Gehirns selbst und die Verbindungen hinaus zu allen Muskeln. Koordination ist also ein Produkt des gesamten neuronalen Netzwerks. Und je nach Koordinationsvermögen ergibt sich, was man körperlich zu leisten vermag. (KogniFit research: Koordination)

Definition

Unter Bewegungskoordination verstehen die Bewegungs- und die Trainingswissenschaft den Prozess und das Ergebnis des Zusammenwirkens verschiedener Wahrnehmungs-, Steuerungs-, Regelungs- und Motorik-Elemente zu einem geordneten, zielgerichteten Bewegungsablauf. Koordinierte Bewegungen sind gleichzeitig oder in geordneter Folge auftretende Muskelaktionen. Im Unterschied zu den rein geistigen Fähigkeiten stellt die Bewegungskoordination eine Fertigkeit dar, die als sichtbares Resultat (Bild s.o.) aus den zugrundeliegenden Fähigkeiten erwachsen kann, aber nicht muss. (Zit. Wikipedia: Bewegungskoordination: https://de.wikipedia.org/wiki/Bewegungskoordination)


2. Kognition: was ich geistig zu leisten vermag

Die Arbeitsweise Kognition ist die zweite, in der Evolution viel später entstandene Funktion des Gehirns. Sie hat sich entwickelt, um den Bereich des Geistigen, also der kognitiven Fähigkeiten, auszuführen. Dafür bedarf es „nur“ des Austausches zwischen den verschiedenen Gehirnarealen. Das ganze findet also im Kopf statt und je nach dem, wie weiträumig, fein und stabil gesponnen die Verbindungen sind, ergibt sich in der Summe, was ich geistig zu leisten vermag.

Definition

Die Bezeichnung Kognition ist abgeleitet von lateinisch cognoscere (,erkennen‘ oder ‚erfahren‘) bzw. lateinisch cognitio (‚Erkennen‘) und über das Englische in die deutsche Sprache gelangt. Sehr allgemein kann man Kognition als geistige Aktivität oder Denken verstehen, wobei diese Denkprozesse nicht bewusst ablaufen und nicht rational sein müssen. Viele derzeit übliche Definitionen setzen Kognition mit Informationsverarbeitung gleich.“ (Wikipedia: Kognition: https://de.wikipedia.org/wiki/Kognition)


3. Erneuerung: wie das Gehirn sich funktionsfähig erhält

Während Koordination und Kognition die Arbeitsweisen des Tages sind, findet in der Nacht, völlig unbemerkt, Erneuerung statt. Sie ist für das Gehirn von existenzieller Bedeutung. All das, was vom Gehirn an koordinativ fordernden Aktivitäten tagsüber regelmäßig abverlangt wird, wird so verarbeitet, dass die Netze den zukünftigen körperlichen Anforderungen gerecht werden können.

Näheres zur Arbeitsweise „Erneuerung“ wird im Beitrag „Was ist Neuroplastizität“ dargestellt. Zunächst werden nur Koordination und Kognition gegenüber gestellt.

Besondere Bedeutung

Die Unterscheidung der Funktionen Koordination und Kognition ist zur Lösung der Frage nach einer wirksamen Vorbeugung von Alzheimer von besonderer Bedeutung. Mit ihr wird deutlich, geistige Gesundheit im Alter beginnt bei der Bewegung. Nur die Koordination der Bewegung durch das Gehirn schafft und erneuert Tag für Tag die neuronalen Verbindungsnetze und liefert so die Basis für die Kognition, die diese Netze nutzt und stabilisiert, aber keine neuen Verbindungen schaffen und keine geschädigten erneuern kann.


Wagen wir die Feststellung: Der Mensch besitzt einen Reparaturbetrieb für das Gehirn! Mehr noch, das Gehirn ist ein Reparaturbetrieb, vergleichbar mit einem Auto, das sich nach jeder Fahrt, wenn nötig, selbst wartet, innen und außen reinigt und jeden Morgen wieder wie neu in der Garage steht.


Täglich, besonders im Alter, werden Hirnzellen, Synapsen und Verbindungen zerstört. Aber egal. Der Abbau findet ganz langsam statt, jeden Tag gehen immer nur ganz punktuell einzelne Nervenzellen kaputt. Aber das Gehirn hat viele Milliarden davon und im Laufe des Lebens wird nur ein Teil genutzt. Was ungenutzt ist, steht zur Bildung neuer Verbindungen zur Verfügung.

Keine Krankheit

Entscheidend ist, Alzheimer sollte, nicht als Krankheit, sondern als das Ergebnis des langen und kontinuierlichen Abbauprozesses des Körpers gedacht werden. Einer neigt mehr dazu, ein anderer weniger, ganz aufhalten kann diesen Prozess aber niemand. Der Abbauprozess, und das ist bei der Demenz so heimtückisch, erfolgt schleichend über viele Jahre.

Aber, und das ist die gute Nachricht, die Folgen der gestern zerstörten Nervenzellen kann das Gehirn, wenn es die entsprechenden Impulse bekommt, wieder beheben. Es kann für jede zerstörte Verbindung einen “Minibypass” in den bisher ungenutzten Nachbarregionen bauen und so den neuronalen Schaltkreis für die Koordination der Bewegung und die kognitiven geistigen Aktivitäten intakt erhalten.

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2-1. Was schädigt das Gehirn

Die Folgen des sorglosen Lebens

Alkohol, Stress, Nikotin und ungesundes Essen schaden erst einmal dem Gehirn gar nicht. Aber sie wirken indirekt. Sie verursachen unterschiedlichste gesundheitliche Probleme im Blut, in den Organen oder beim Stoffwechsel. Diese führen dann, wenn sie chronisch werden, zu den Schädigungen in den neuronalen Netzen des Gehirns.

Von der Lancet Commission, der weltweit anerkannten Institution zu den Fragen um Demenzvermeidung wurden im Juli 2024 vierzehn Gründe für die Ursache der Alters-Demenz (Alzheimer) genannt:


Im Einzelnen und was man dagegen tun kann:

Bluthochdruck etwa gilt als Risikofaktor für Demenz, weshalb man die Werte regelmäßig kontrollieren und einstellen lassen sollte.

Gleiches gilt für Cholesterin. Zu hohe Werte sind unbedingt zu vermeiden und können durch Bewegung und/oder Medikamente gesenkt werden.

Übergewicht schädigt und besonders gilt es, das sogenannte Adipositas (Fettleibigkeit) zu verhindern.

Die Blutzuckerwerte sind unbedingt zu beachten. Man sollte sie regelmäßig kontrollieren und Diabeteserkrankungen nach Möglichkeit verhindern.

Durch Herzrhythmusstörungen wird das Gehirn nicht mit ausreichend Nährstoffen und Sauerstoff versorgt. Sie gelten deshalb als Demenz-Risikofaktor.

Gegen Entzündungen, wie die Gürtelrose, kann man sich impfen lassen. Ansonsten können systemische Entzündungen im Körper entstehen. Sie gelten ebenso als Risikofaktor für Demenz.

Gegen Bewegungsarmut hilft Sport treiben. Erregt die Nervenzellen an und schützt sie vor Beschädigungen.

Chronischer Schlafmangel ist gefährlich. Nur im Schlaf werden die für Demenz verantwortlichen Eiweißablagerungen im Gehirn abtransportiert.

Mangelnde Bildung: natürlich kann Versäumtes in der Kindheit nicht nachgeholt werden, aber Bildung ist eine Lebensaufgabe.

Nikotin und Alkohol: Wer mit dem Rauchen aufhört und den Alkoholkonsum auf ein verträgliches Maß einschränkt, kann damit schon viel erreichen.


Einsamkeit ist ein großes Problem im Alter und gilt als Demenzbeschleuniger. Unbedingt gilt es, mit anderen Menschen in Kontakt zu bleiben und seine Beziehungen zu pflegen.

Um Einsamkeit zu verhindern, sollten auch so einfache Dinge, wie seine Brille und das Hörgerät einstellen zu lassen, nicht vernachlässigt werden. Nur so kann man vernünftig am sozialen Leben teilnehmen.


Depression und traumatische Hirnverletzungen: Professionelle Hilfe suchen: Der erste Schritt ist oft, einen Arzt oder Therapeuten aufzusuchen. Psychotherapie und Medikamente (Antidepressiva) sind bewährte Behandlungsmethoden


https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736(24)01546-0/fulltext


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2. Gehirn: Ein Wunderwerk, das sich selbst erneuern kann


Inhalt 2. Abschnitt

In diesem Abschnitt wird dargestellt, wie durch ein sorglos geführtes Leben das Gehirn geschädigt und wie durch zielgerichtete Bewegung einzelne Bereiche wieder erneuert werden können. Im Besonderen wird erläutert, was „Neuroplastizität“ ist und wie sie ihre heilsame Wirkung zum Erhalt geistiger Gesundheit entfalten kann.


1. Was schädigt das Gehirn?

Die Folgen des sorglosen Lebens.

… mehr


2. Die drei Arbeitsweisen des Gehirns

Koordination, Kognition, Erneuerung

mehr


3. Erneuerung aus der Apotheke?

Mit Medikamenten ist Alzheimer bis heute nicht beizukommen

… mehr


4. Zurück aus der Vorstufe?

Fast drei Millionen Menschen in Anbetracht einer schwerwiegenden Krankheit sehen sich allein gelassen

…. mehr


5. Erneuerung durch gesund essen?

Auch noch so gesunde Ernährung kann die gestörten Schaltkreise im Kopf nicht “reparieren”.

… mehr


6. Die Kategorien der körperlichen Bewegung

Die Einteilung der Bewegung nach ihrer Wirkung in den neuronalen Netzen

…mehr


7. Der Schlaganfall


Zerstörtes kann durch zielgerichtete Bewegung ersetzt werden

mehr ….


8. Was ist Neuroplastizität?

Die Fähigkeit des Gehirns, sich ein Leben lang anzupassen

mehr


9. Dem Gehirn durch Regelmäßigkeit eine Richtung vorgeben

Jeden Tag baut das Gehirn ziellos Verbindungen ab und jeden Tag schafft es wieder neue

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11. Das Hirn gibt niemals auf

Unser Gehirn hat sehr viel Geduld mit unserem liederlichen Lebenswandel.

mehr


12. Der Körper, ein pharmazeutischer Betrieb?

Das Frühstück verwandelt er morgens in Energie und die verwandelt er tagsüber in ein Schlafmittel

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13. Geistige Fitness nur durch Bewegung?

Einwände und Gegenbeispiele

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1-9. Morbus Parkinson

Intakte Kognition – gestörte Koordination


Die Substantia nigra ist eine sehr kleine Region im Gehirn, hat aber große Bedeutung für die Koordination der Bewegung. Sie ist etwa so groß wie ein Schusser und heißt „Schwarze Substanz“, weil sie im Gehirn sehr leicht durch ihre dunkle Einfärbung (Neuromelanin) erkennbar ist. Von großer Bedeutung ist sie, weil sie nach Bedarf Bewegung anstößt, erhält oder beendet. Bei der Parkinsonerkrankung sterben in der Substantia nigra die Neuronen ab und die Folge sind der zunehmende Verlust der Kontrolle über willkürliche Bewegungen.


Gestörte Bewegung

Morbus Parkinson ist im klassischen Sinne eine Form der Demenz, aber eigentlich doch keine, weil die geistige Leistungsfähigkeit erhalten bleibt. Ganz im Gegensatz zur Fähigkeit, die ansonsten so selbstverständlich ablaufenden Bewegungen zu kontrollieren. Die Ursachen für die Krankheit sind, wie bei der Demenz, abgestorbene Neuronen und deshalb nicht mehr funktionierende Schaltverbindungen in der schwarzen Substanz.

(Parkinson: Apotheken Umschau)


Gestört werden die neuronalen Netze durch die sogenannten Lewy-Körperchen, eine besondere Form von Eiweißverklebungen (hier das Eiweiß Synuclein) , die speziell dort das Gehirn schädigen. Nur wenige abgestorbene Neuronen in der Substantia nigra (im Verhältnis zu den 100 Mrd. des Gesamtgehirns) sind es, aber in der Folge dieser Schädigungen wird der Botenstoff Dopamin nicht mehr ausreichend produziert, und es können die Signalübertragungen im Gehirn zur Kontrolle der weichen Bewegungsabläufe nicht mehr störungsfrei ablaufen.

Das führt dann zu den typischen Symptomen: Zittern (Tremor), verlangsamte Bewegungen (Hypokinese), Muskelsteifigkeit (Rigor) und eine gestörte Haltungsstabilität. Interessanterweise gibt es oft schon Jahre vorher Hinweise für die Erkrankung, die in Summe ernst genommen und zur Vorstellung beim Neurologen führen sollten. Wenn es zu nicht erklärbaren Einschränkungen des Geruchs, vermehrter Neigung zur Verstopfung und Zunahme unruhiger Träume in der Nacht kommt, können das bereits Jahre vor dem Auftreten motorischer Symptome erste Hinweise für eine Parkinsonerkrankung sein.

Will man Parkinson in Schach halten, braucht es daher neben der medikamentösen Ergänzung des Botenstoffes Dopamin äußere Gegebenheiten, die dem Gehirn für einen gewünschten Bewegungsablauf in rascher Abfolge gezielte Bewegungskorrekturen abverlangen. Drei erfolgreiche Ansätze dafür sind ein wackliger Untergrund (Balance) ein kleiner schneller Ball (Tischtennis) und Musik mit einem schnellen Rhythmus (Tanzen). Parkinson therapieren ist also keine Einzeldisziplin sondern eher ein „Dreikampf“:


1. Der Tanz:
Gesunder Spaß für schnelle Beine

Freude an der Bewegung haben und gleichzeitig die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern, ist das Ziel. Dafür ist Tanz eine geeignete Form. Die Musik wirkt positiv auf die Stimmung und gibt den Takt für die Bewegung vor. So wird der ganze Körper beansprucht und die Wirkung im Gehirn macht der Rhythmus. Er zwingt es, für die einzelnen Bewegungsschritte in schneller Abfolge Tremor, Hypokinese und Rigor zu unterdrücken.

Um positive Effekte zu erreichen, braucht es allerdings Regelmäßigkeit und Wiederholung. Zu empfehlen ist pro Woche ein Tanztraining von mindestens einer Stunde. So bekommt das Gehirn die nötigen Impulse, um sich speziell in der Substantia nigra zu erneuern: Neuroplastizität gegen das Zittern.


2. Balancieren bei jeder Gelegenheit

Jeder der unter Parkinson leidet, sollte regelmäßig balancieren. Jeder Baumstamm am Wegrand bietet sich an oder ein Balken daheim, wenn man einen Garten hat. Zuerst geht es natürlich noch nicht ohne Probleme. Regelmäßiges üben, möglichst nur ein paar Minuten, dafür aber täglich, sind nötig. Die Wirkung im Gehirn ist wie die beim Tanzen. Um nicht zu fallen müssen die Ausgleichsbewegungen sehr schnell erfolgen und das geht nur, wenn sie vom Gehirn automatisch blitzschnell gestartet und gestoppt werden.

Damit wird jener heilsame Stress ausgelöst, der das Hirn zwingt, die Bewegungen in Sekundenbruchteilen zu starten und zu stoppen. So werden mit der Zeit die neuronalen Lücken in der schwarzen Substanz repariert und mit viel Fleiß erhält man auch die gewünschte Bewegungskontrolle für den Alltag zurück.


3. Tischtennis
Ein sportliches Gemeinschaftserlebnis

Die Idee, Tischtennis zu spielen, um Parkinson in den Griff zu bekommen, stammt aus Amerika. Dort wurde es als eine Form der Therapie nachweislich erfolgreich eingesetzt. Im Jahr 2017 gelangte die Idee nach Deutschland. So etwa in Dachau, wo sich eine Selbsthilfegruppe gründete, die beim Sportverein TSV 1865 Dachau angebunden ist. Ihre erfolgreiche Arbeit mit Tipps für Betroffene findet man im Netz:

( parkinsontreff-karlsfeld.jimdofree.com )

Ziel der Organisation ist das sportliche Gemeinschaftserlebnisse und Parkinson-Erkrankte aus der Selbstisolation zu holen. So steht das Gruppenerlebnis, der Spaß und nicht zuletzt die Stärkung des Selbstwertgefühls gleichberechtigt neben dem mittlerweile durch Studien bestätigten Therapieerfolg. Schließlich würden in den regelmäßigen Trainingsstunden „Ausdauer, gute Beinarbeit, schnelle Reaktionen und viel Balance“ gefordert. Und für das Gehirn ist Tischtennis spielen deshalb so bedeutend, weil der schnelle Ballwechsel ihm schnell Bewegungskorrekturen abverlangt. Nach jeder Stunde Training werden die Netze in der schwarzen Substanz ausgebessert oder ganz neue Verbindungen geschaffen.

Es gibt begründete Hoffnung!

Parkinson gilt bis heute als unheilbare Krankheit. Hoffnung, die Krankheit wenigstens in den Griff zu bekommen, gibt es aber mittlerweile und es ist wie bei der klassischen Demenz gezielte Bewegung. Für Betroffene mindestens ebenso wichtig sind die Selbsthilfegruppen, die sich mittlerweile lokal, regional und auch bundesweit etabliert haben. Die gesammelten Erfahrungen von Parkinson-Betroffenen, wie man etwa den Krankheitsverlauf zugunsten des Erhalts von Lebensqualität beeinflussen kann, haben mittlerweile auch ihren Weg in die Forschung und den klinischen Alltag gefunden.

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1-8. Vergesslichkeit, nur ein Mangel an Neugier?

Bin ich krank oder nur vergesslich?

Viele ältere Menschen sehen in der Vergesslichkeit schon die Vorboten einer Alzheimer-Erkrankung. Aber Vergesslichkeit ist im Alter normal. Also Entwarnung? Leider nein! Bei der Hälfte der „vergesslichen Alten“ findet man die Ursache im Gehirn und sie sind später auch von Demenz betroffen. Erst einmal abwarten und unbesorgt sein ist also keine Option.

Problematisch wird es, wenn zur Vergesslichkeit hinzu kommt, dass auch die alltäglichen Bewegungen zögerlich und unsicher werden oder die Orientierung nachlässt. Dann sollte der Hausarzt bemüht werden. Es gibt Untersuchungsmöglichkeiten, mit deren Hilfe sich feststellen lässt, ob es tatsächlich eine beginnende Demenz ist.


Was sind die Ursachen der Vergesslichkeit?

Erforscht wird alles und natürlich gibt es auch Studien zur „harmlosen“ Altersvergesslichkeit. Und es gibt auch Theorien, die in komplizierten Worten erklären, wie es sein könnte. Zuletzt muss die Forschung aber eingestehen: die genauen Ursachen sind nicht bekannt. (Näheres: https://www.alzheimer-bw.de/grundwissen-demenz/demenz-oder-normale-vergesslichkeit/)


Wollte man wissen, warum im Alter so viele Menschen nur vergesslich, nicht aber dement werden, dann müsste man wohl an anderer Stelle als dem Gehirn nach den Ursachen suchen. Vielleicht ist es nicht das Gehirn, sondern die Einstellung alter Menschen zum Leben: mangelnde Aufmerksamkeit, fehlende Neugierde, wenig Interesse an den Mitmenschen und ihren Geschichten, bis hin zu einem gewissen Überdruss an der Welt.

Kinder dagegen platzen vor Neugier! Sie wollen alles wissen und die Frage „warum“ können viele Eltern nicht mehr hören. Dabei gibt es bei Kindern kein zu viel an Neugier, eher ein zu wenig bei den Älteren. Leider ist uns im Alter abhandengekommen, nach dem Warum zu fragen, wie Kinder neugierig zu sein und die Welt jeden Tag wieder mit Staunen zu betrachten. Alexis Sorbas ist jene berühmte literarische Figur von Nikos Kazantzakis, die sich noch als alter Mann die Neugierde und Begeisterungsfähigkeit des Kindes bewahren konnte:

Begeisterungsfähigkeit des Kindes

„Er besaß alles … die schöpferische, jeden Morgen sich erneuernde Naivität, unaufhörlich alles zum ersten Mal zu sehen und den ewigen alltäglichen Elementen Jungfräulichkeit zu geben – dem Wind, dem Meer, dem Feuer, der Frau, dem Brot, die Sicherheit der Hand, die Frische des Herzens und die Tapferkeit, seine eigene Seele zu verlachen …“ (Nikos Kazantzakis: „Alexis Sorbas“)

Vergesslichkeit also ist ein Mangel. Ein Mangel an Neugier und Aufmerksamkeit und stattdessen eine zunehmende Interesselosigkeit an den Vorgängen der Welt. Man entfernt sich sozusagen in Trippelschritten langsam von einer Welt, in der man sich auskannte, die aber Jahr für Jahr weniger zu bieten hat. Demenz dagegen ist eine Krankheit. Eine Krankheit, die dem Menschen Plaque für Plaque das Gedächtnis nimmt, das im Leben lange selbstverständlich war.

Es gibt die Vergesslichkeit aufgrund des Alters und die aufgrund geschädigter Netze im Gehirn. Über erstere kann man lächelnd hinweg sehen, zweitere fordert ernsthaftes Handeln


Wann ist es Zeit, zum Arzt zu gehen?

Antwort: Wenn z.B. eine Person, die immer Spaß am Kochen hatte, in die Küche geht und dort nicht mehr weiß, was sie holen wollte, dann ist es Vergesslichkeit. Wenn die Person aber in der Küche steht und nicht mehr kochen kann, weil ihr die Küchengeräte fremd geworden sind und es auch nicht mehr schafft, gedanklich ein Menü voraus zu planen, dann wird’s bedenklich.

Oder wenn man als begeisterter Handwerker in die Werkstatt geht und sich mit den Werkzeugen nicht mehr zu Recht findet und im Kopf nicht mehr den Bau eines Vogelhäuschen planen kann, spätestens dann wird es Zeit zum Arzt zu gehen. Wie bereits oben ausgeführt, könnten eine Vielzahl von Demenzerkrankungen vermieden werden, wenn Einschränkungen der Sinnesfähigkeiten z.B. durch Hörgerät und/oder Brille frühzeitig korrigiert werden, die allgemeinen Gefäßrisikofaktoren, wie Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker gut eingestellt werden. Daher macht es Sinn, bereits bei einsetzender Vergesslichkeit im Alter, einen Check der Hirngesundheit beim Arzt durchführen zu lassen.

(S.D. Singh, et al. Front. Neurol. 2023; 1291020. doi: 0.3389/fneur.2023.1291020: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/38107629/)


Die Formel für beginnende Demenz

Aus den Beispielen mit der Hausfrau und dem Hobbybastler, die sich in ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr zu Recht finden, lässt sich gut auch eine allgemeine Formel entwickeln, wann es nicht mehr Vergesslichkeit ist, sondern der Beginn der gefährlichen Alterskrankheit: wenn aus den Signalen, die aus den Sinnen in die Steuerungszentrale Gehirn kommen, keine planvollen Handlungsanweisungen mehr entwickelt werden und in keine sinnvolle Vorgehensweise mehr umgesetzt werden können, dann sollte man sich ernsthafte Gedanken über seinen gesundheitlichen Zustand machen.

Dies lässt sich auch am praktischen Beispiel der Orientierung darstellen. Nach dem Einkauf steht man vor dem Geschäft und weiß plötzlich nicht mehr, wie man nach Hause kommt. Um jetzt einen kurzen und für zu Fuß sicheren Heimweg zu finden ist es notwendig, die “innere Landkarte” zu öffnen. Wenn auch dies nicht mehr gelingt, ist es wirklich höchste Eisenbahn.

Die Demenz zu vermeiden ist eine Frage der Bewegung. Die der Vergesslichkeit dagegen ist eine Frage der inneren Einstellung.

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1-7. Wenn das Hirn krank wird:

Unterscheidung nach Arten und Verlauf


Wenn man sich vor Augen führt, welche Bedeutung der Bewegung bei der Entstehung und Entwicklung des Geistigen zukommt, dann liegt der Schluss nahe, es ist nicht das hohe Alter, das die Demenz fortschreiten lässt, sondern die von Jahr zu Jahr nachlassende Bewegung, mangelnde Neugier, soziale Isolation und die nachlassende Bereitschaft, sich zu wandeln. Alzheimer ist demnach keine schicksalsgegebene Alterskrankheit, sondern auch eine Folge eines ungesunden Lebensstil, welcher viel mit eingeschränkter Bewegung zu tun hat, was in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt werden konnte.

Einteilen lässt sich die Krankheit nach ihrer Art in drei Gruppen und nach ihrem zeitlichen Verlauf in drei Phasen. Die Art der Demenz bezieht sich auf die unterschiedlichen Formen im Gehirn der Betroffenen, der Verlauf dagegen bezieht sich auf die körperlichen Auswirkungen der Krankheit. Quelle BGM:

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Broschueren/BMG_Ratgeber_Demenz_bf.pdf

1. Die drei Arten der Demenz:

– Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Alois Alzheimer fand vor mehr als 100 Jahren im Gehirn einer Patientin Eiweißablagerungen und mittlerweile weiß man, dass sich die schädlichen Eiweiße in den Nervenzellen selbst und an den Verbindungen zwischen den Nervenzellen anlagern. Diesem Prozess wird die Mehrzahl (65 Prozent) der Demenzfälle zugeordnet und er ist eine Folge des Abbauprozesses des Gehirns im Alter. Diese Eiweißablagerungen (sog. Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen) im Gehirn finden sich aber auch bei Menschen, die während ihres Lebens nie Anzeichen einer Demenz hatten, so dass wahrscheinlich weitere, noch nicht genau bekannte Ko-Faktoren eine wichtige Rolle beim Zustandekommen der Erkrankung spielen. Hier spielen neben den klassischen Gefäßrisikofaktoren (Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen) auch chronische Entzündungsprozesse, die Ernährung und eben auch die mangelnde körperliche Aktivität eine wichtige Rolle..

– Bei Gruppe zwei, der gefäßbedingten, sog. vaskulären Demenz, mit rund 30 % an den Demenzformen ist die Krankheit die Folge nicht speziell des Alters, sondern zahlreicher, meist kleiner Durchblutungsstörungen im Gehirn, die zu kleinen Mini-Schlaganfällen (Infarkten) führen können. In der Mehrzahl ist die vaskuläre Demenz eine Folge der unkontrollierten Gefäßrisiko-faktoren, die man auch als „Demenzbeschleuniger“ bezeichnen könnte. Was man dagegen tun kann ist klar: gesünder leben.

– Die Gruppe drei, das sind die 5 % der Demenzen, die durch andere, potenziell behandelbare Erkrankungen verursacht werden. Hierzu zählen Gehirntumore, Schilddrüsenunterfunktion, Vitamin-B12 Mangel, Hirnentzündungen, chronischer Hirndruck, Schlaganfälle oder erblich bedingte Erkrankungen. Aus diesen Gründen gehört zu jeder Demenzabklärung eine gründliche internistische und neurologische Untersuchung.

Für 5 Prozent ist es Schicksal, für 30 Prozent der liederliche Lebenswandel und für 65 Prozent einfach nur das Alter


2. Die drei Phasen des Verlaufs von Demenz:


Alle geistigen Bereiche

Die Beeinträchtigungen durch die Altersdemenz umfassen alle geistigen Bereiche: das Denken, die Emotionen und die sozialen Fähigkeiten. Gestört ist die Sprache, die Motorik, das Identifizieren und schließlich die Exekutivfunktionen, also Planen, Organisieren und Reihenfolgen einhalten.


Am Anfang der Erkrankung stehen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit. Es beginnt mit Defiziten beim Lernen, beim Merken und dem Sprachfluss. Auch die Feinmotorik lässt in dieser Phase schon etwas nach. Man vergisst Termine, fühlt sich leicht reizbar und an unbekannten Orten alleine unsicher. Auf einem Bein stehen oder balancieren sind schon kaum mehr möglich.


Im mittleren Stadium ist das Gedächtnis schon deutlich betroffen und es folgen Störungen in der Orientierungsfähigkeit oder bekannte Personen werden nicht mehr erkannt. Immer weniger können die Betroffenen auf das
Langzeitgedächtnis zurückgreifen, so dass man auch die im Leben erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten verliert. Sie leben vermehrt in der eigenen Realität und wenn sie in Situationen kommen, die sie nicht einschätzen können, reagieren sie zuweilen aggressiv oder mit unbegründeten Ängsten. Die Menschen sind in sich gekehrt und häufig kommt es zu Verhaltens- und Wesensveränderungen.

Im fortgeschrittenen Stadium verlernen die Patienten altbekannte Fertigkeiten und erkennen auch nahestehende Personen und alltägliche Gegenstände nicht mehr wieder. Im Alltag kommt man nicht mehr alleine zurecht und benötigt pflegerische Unterstützung. Da auch die Gefühle ein Produkt des Geistes sind, sind auch diese von der Krankheit betroffen. Patienten, die vorher friedfertig waren, geraten für Außenstehende scheinbar unbegründet in Wutausbrüche. Schuldgefühle und Selbstreflexion nehmen mehr und mehr ab. Das Kauen und Schlucken fällt schwer. Und auch Bewegung fällt immer schwerer und verliert sich zuletzt komplett.

Zuerst verliert sich das Merken, dann schwindet die Orientierung und zuletzt geht das ICH verloren

3. Verlust der Beweglichkeit durch Demenz: Die Balance, das erste Opfer der Plaques

Bei der senilen Demenz richtet sich die Aufmerksamkeit im Wesentlichen nur auf den Verfall der geistigen Fähigkeiten. Doch es gibt auch den Verfall der Beweglichkeit durch Demenz. Weil es viele körperliche Ursachen gibt, warum im Alter die Beweglichkeit abnimmt, wird es als eine natürliche Begleiterscheinung angesehen und zu wenig in Zusammenhang mit der geistigen Ursache Demenz gebracht.

Ein Grund für den Verfall der Beweglichkeit im Alter ist die Kombination von Eiweißablagerungen im Gehirn (sog. Amyloid-Plaques), verminderter Neuroplastizität und mangelnder sportlicher Betätigung. Demenz und Beweglichkeit verstärken sich wechselseitig und wenn die neuronalen Netze des Gehirns im Alter gestört werden, ist die Beweglichkeit das nächste Opfer.

Bewegung geht in drei Stufen verloren:

In drei Phasen kann man diesen Verlust der Beweglichkeit durch senile Plaques einteilen:

Am Anfang der Erkrankung geht die Balance verloren. Die Bewegungsabläufe werden zögerlich und sobald es uneben ist, wird auch das Gehen unsicher. Schon kleinere Stolperer können zu Stürzen führen und es wird immer schwieriger, einen stabilen Rhythmus zu finden und ihn dann länger zu halten.


Verlust der Balance

Im weiteren Verlauf werden Hilfen benötigt. Geländer für das Treppensteigen, ein Stock für das bloße Spazierengehen und ein Gehwagen für’s Einkaufen. Die Geschicklichkeit im Haushalt, bei der Gartenarbeit oder beim Handwerken geht verloren, bis man diese Dinge gar nicht mehr beherrscht.


Zuletzt führen die senilen Plaques zum vollkommenen Verlust, Bewegung zu steuern und die Muskeln zu koordinieren. Fort bewegen ist nur noch mit dem Rollstuhl möglich, selbstständig essen wird zunehmend unmöglich.

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1-6. Die sechs Hilfsfunktionen des Kognitiven:

Die kognitiven Fähigkeiten sind von Mensch zu Mensch verschieden. Das liegt weniger an den unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten des Gehirns, sondern am individuellen Charakter und der Einstellung zum Leben. Wenn man im Leben genügend motiviert ist, kann man durch die folgenden sechs Hilfsfunktionen, wenn sie geschult sind und bewusst angewandt werden, seine geistigen Fähigkeiten in optimaler Weise nutzen:

1. Aufmerksamkeit: Allgemein stellt Aufmerksamkeit die Konzentration der Wahrnehmung auf bestimmte Stimuli unserer Umwelt dar. Ein wesentlicher Bestandteil von Aufmerksamkeit ist die Auswahl von Informationen (Selektion), um sie dem Bewusstsein zugänglich zu machen und das Denken und Handeln zu steuern. Aufmerksam Leben ist Bedingung für einen leistungsfähigen Geist.


2.Wahrnehmung: Sie kann als Fähigkeit definiert werden, Information über die Sinne aktiv aufzunehmen, zu verarbeiten und ihr Sinn zu verleihen. Dies gelingt natürlich nur, wenn unsere Sinne optimal funktionieren bzw.
adäquat genutzt werden. Leider nimmt der für die menschliche Kommunikation so wichtige Hörsinn im Alter rapide ab und wird nur selten rechtzeitig durch entsprechende Hörgeräte verbessert. Doch dazu später mehr.


3. Gedächtnis bezeichnet die Fähigkeit, aufgenommene Informationen umzuwandeln, zu speichern und wieder abzurufen. Unterschieden wird es in das Ultrakurzzeitgedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis und das
Langzeitgedächtnis, welche an verschiedenen Orten im Gehirn in sehr
komplexen Netzwerken lokalisiert sind. (Zitat: Nature Arbeit 2024)

4. Die Sprache:
Sprache ist die Fähigkeit, Gedanken und Gefühle durch gesprochene Worte auszudrücken. Sie ist ein Instrument der Kognition, die uns ermöglicht, zu kommunizieren und Informationen über uns selbst oder die Welt zu organisieren und Dritten zu übermitteln. Die Kunst der Rede (Rhetorik) gilt seit der Antike als wichtige Disziplin, die insbesondere in den meinungsbildenden Prozessen eine Rolle spielt. Nicht zu unterschätzen ist hierbei die Stimmgebung oder Sprachmelodie (Prosodie), die eine hoch komplexe koordinative Leistung darstellt und eine wichtige Verbindung zur Musik darstellt.

5. Das Lernen: Lernen ist ein Prozess, bei dem Informationen in den Verstand aufgenommen und dabei verändert werden. Diese Informationen wiederum werden dazu verwendet, sie in unser früheres Wissen zu integrieren und es zu erweitern. Und natürlich sollte das Lernen nicht auf die Kindheit beschränkt sein. Im Alter lässt die Bereitschaft, Neues zu lernen gerne mal nach.

6. Denken und Reflektieren
ist für alle kognitiven Prozesse grundlegend. Es erlaubt uns, alle Informationen, die wir erhalten, zu integrieren und Beziehungen zwischen Ereignissen und Wissen herzustellen. Dafür werden logisches Denken, Synthese und Problemlösung (exekutive Funktionen) benötigt. Der Wahlspruch der Aufklärung, „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ wird bis heute sehr oft vernachlässigt, obwohl in unserer Zeit der schier unendlichen Informationsflut, gerade dieser Fähigkeit für die Evolution des Menschen eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Im Alter bedeutet Reflektieren auch die Bereitschaft, seine eigenen Überzeugungen („das war schon immer so“) zu hinterfragen. Wer möchte schon gerne seine liebgewordenen Überzeugungen erschüttern und im Alter fällt das besonders schwer.

https://www.medien.ifi.lmu.de/lehre/ws0506/mmi1/kognitive-faehigkeiten.xhtml

Neugier, kein Privileg der Jugend!

Eigentlich sollte es nicht schwer sein, sich die Hilfsfunktionen der Kognition zu bewahren. Aufmerksam durchs Leben gehen macht es überhaupt erst interessant und zur Aufmerksamkeit gehört, die Menschen um sich herum und die Geschehnisse in der Welt bewusst wahrzunehmen. Neugier und Interesse am Leben sind ein hohes Gut. Sie sollten kein Privileg der Jugend sein und dazu gehören die Bereitschaft, neues lernen zu wollen und alle Dinge zu reflektieren, für die es sich lohnt, zu leben.

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1-6. Die kognitiven Fähigkeiten des Menschen?

Informationen speichern und verarbeiten, um die Welt zu interpretieren

Schier unbegrenzte körperliche Fähigkeiten

Dass der Mensch angeblich zwanzig höhere kognitive Fähigkeiten hat, ist umstritten. Experimente mit Tieren zeigen, diese können zumindest in Ansätzen viel mehr, als ihnen zugetraut wird und der Abstand bei den kognitiven Fähigkeiten wird von mal zu mal geringer. Trotzdem bleibt zwischen Tier und Mensch eine Lücke, die ohne Zweifel den besonders ausgeprägten neuronalen Netzen für unsere schier unbegrenzten körperlichen Fähigkeiten zuzuschreiben sind.


Der Mensch verweist stets auf seine besonders hochstehenden kognitiven Fähigkeiten, wenn es ihm darum geht, sich von den Tieren abzugrenzen. Allerdings sind ihm diese nicht ohne eigenes Zutun dauerhaft gegeben. Mit zunehmenden Alter sollte man sich deshalb näher mit dem Thema Kognition befassen, sich darüber informieren und zuletzt auch darum kümmern, dass die Fähigkeiten erhalten bleiben.

Bewegung bildet die Netze, der Geist benutzt sie


Definition Kognition: Bei allen Lebewesen, wenn sie Informationen wahrnehmen, verarbeiten und mit durch Erfahrung erworbenen Informationen verbinden, um die Welt zu bewerten und zu interpretieren, dann findet Kognition statt. Menschen haben zudem die Fähigkeit, diese Informationen in geeigneter Weise so umzuwandeln, dass sie im Leben bei passender Gelegenheit möglichst folgerichtig angewandt werden können. https://de.wikipedia.org/wiki/Kognition



Diese so definierte Fähigkeit der Informationsverarbeitung ist eine Eigenschaft des Geistes, die nicht allen Menschen in gleicher Weise gegeben ist und die bei vielen leider auch im Laufe des Lebens wieder nachlässt. Was sich bei den Kindern in ihrem Entdeckungs- und Bewegungsdrang scheinbar automatisch findet, verliert sich später (wie der Bewegungsdrang) bei zu geringer Nutzung von selbst. Was wir im Deutschen für die Gelenke gereimt haben „Wer rastet , der rostet“ lässt sich im Englischen umfassender gerade auch auf das Gehirn anwendbar in den Worten „Use it or lose it“ finden.

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1-5. Die Bedeutung des Unterbewusstseins

Bei der Geburt verfügen Kinder über eine große Anzahl an Nervenzellen (Neuronen), aber die Verbindungen zwischen diesen Zellen (Synapsen) sind noch wenig ausgebildet. Durch Bewegung und die sinnlichen Erfahrungen bilden sich diese Verbindungen im Gehirn. Dieser Prozess, bekannt als Synaptogenese und Neuroplastizität, ist entscheidend für die kognitive und motorische Entwicklung.


Erst einmal nutzlos

Schon bei der Geburt sind die 80 Milliarden Nervenzellen im Gehirn angelegt. Allerdings sind sie nicht verbunden und erst einmal nutzlos für die Wahrnehmung, das Nachdenken oder die Bewegung des Neugeborenen. Aber jedes unverbundene Neuron hat den inneren Drang sich zu verbinden und dieser Drang, mit 80 Mrd. multipliziert, signalisiert dem Kind „beweg dich“.

Genannt wird dieses Phänomen als „natürlicher Bewegungsdrang des Kindes“. Er ist nichts anderes als das, was die Neuronen, wenn sie noch unverbunden sind, benötigen: Bewegung. Erst die Bewegung ist es, die das Kind später befähigt, sportlich aktiv zu sein und geistige Leistungen zu vollbringen.


Lassen wir sie toben, klettern, raufen

Als Babys noch gänzlich unbeholfen, wollen sie es schon bald instinktiv den anderen Kindern gleichtun. Wenn man aufzählt, was sie sich in der Krabbelgruppe und später auf den Spielplätzen alles aneignen, kommt man schnell auf viele, typische Aktivitäten:


Aufstehen, Gehen, Fallen, Aufstehen, Laufen, Steigen, Rutschen, Schaukeln, Trampolin springen, Klettern, Balancieren, Radeln, Skaten, Hula Hoop, Fußball, Purzelbaum schlagen und was noch alles mehr. Alles wollen sie unbedingt können und machen es so lange, bis sie es beherrschen.


B. Die Vorsicht des geschädigten neuronalen Netzes vor komplexer Bewegung

Vorstellbar ist, dass im Alter von geschädigten neuronalen Netzen, verbunden mit dem nachlassenden Gleichgewichtssinn und schwindenden Muskeln dem Körper aufgegeben wird, Bewegung im Allgemeine und komplex zu koordinierende Bewegungen im Besonderen tunlichst zu vermeiden. Geschädigte Netze melden demnach dem Körper instinktiv, jene Aktivitäten zu meiden, die es nicht mehr sicher auszuführen vermag.

Das Unterbewusstsein im Konflikt

Im Alter ist es jedes mal eine Überwindung, sich sportlich zu betätigen und es stellt sich die Frage, warum das eigentlich so ist. Eine Begründung auf diese Frage kann man im Unterbewusstsein finden, denn ob und wie wir uns bewegen, hängt sehr von ihm ab. Und für das Unterbewusstsein wiederum hat jede einzelne Nervenzelle einen Einfluss je nach dem in welchem Zustand sich das Neuron befindet: Wenn die Nervenzelle heil und unverbunden ist, dann signalisiert sie dem Unterbewusstsein, „beweg’ dich“, wenn sie heil und im neuronalen Netz eingebunden ist, signalisiert sie „ich wäre bereit zur Bewegung“. Wenn Nervenzelle aber durch Plaques zerstört sind, dann signalisieren sie „halt’ still“.


Im Zweifel für den Körper

Das Unterbewusstsein ist sozusagen im Konflikt zwischen dem Erhalt körperlicher und dem Erhalt geistiger Gesundheit und in der Regel entscheidet man sich im Alter für den Körper (Sturzvermeidung) und gegen den Geist. Die Folgen sind bekannt: nur wenige alte Menschen betätigen sich körperlich anspruchsvoll und die steigenden Zahlen pflegebedürftiger alter Menschen sprechen Bände.


Um geistige Gesundheit im Alter zu erhalten, bedarf es also nichts weniger als sich täglich entgegen seinem Unterbewusstsein aufzuraffen und sportlich aktiv zu werden. Für den inneren Schweinehund gilt nämlich auch umgekehrt, dass durch Bewegung die Muskeln so gestärkt werden und der Gleichgewichtssinn so erhalten bleibt, dass im Alter viele noch gerne Sport treiben. Schweinehund hin oder her.