In diesem Abschnitt wird dargestellt, wie durch ein sorglos geführtes Leben das Gehirn geschädigt und wie durch zielgerichtete Bewegung einzelne Bereiche wieder erneuert werden können. Im Besonderen wird erläutert, was „Neuroplastizität“ ist und wie sie ihre heilsame Wirkung zum Erhalt geistiger Gesundheit entfalten kann.
Die Substantia nigra ist eine sehr kleine Region im Gehirn, hat aber große Bedeutung für die Koordination der Bewegung. Sie ist etwa so groß wie ein Schusser und heißt „Schwarze Substanz“, weil sie im Gehirn sehr leicht durch ihre dunkle Einfärbung (Neuromelanin) erkennbar ist. Von großer Bedeutung ist sie, weil sie nach Bedarf Bewegung anstößt, erhält oder beendet. Bei der Parkinsonerkrankung sterben in der Substantia nigra die Neuronen ab und die Folge sind der zunehmende Verlust der Kontrolle über willkürliche Bewegungen.
Gestörte Bewegung
Morbus Parkinson ist im klassischen Sinne eine Form der Demenz, aber eigentlich doch keine, weil die geistige Leistungsfähigkeit erhalten bleibt. Ganz im Gegensatz zur Fähigkeit, die ansonsten so selbstverständlich ablaufenden Bewegungen zu kontrollieren. Die Ursachen für die Krankheit sind, wie bei der Demenz, abgestorbene Neuronen und deshalb nicht mehr funktionierende Schaltverbindungen in der schwarzen Substanz.
Gestört werden die neuronalen Netze durch die sogenannten Lewy-Körperchen, eine besondere Form von Eiweißverklebungen (hier das Eiweiß Synuclein) , die speziell dort das Gehirn schädigen. Nur wenige abgestorbene Neuronen in der Substantia nigra (im Verhältnis zu den 100 Mrd. des Gesamtgehirns) sind es, aber in der Folge dieser Schädigungen wird der Botenstoff Dopamin nicht mehr ausreichend produziert, und es können die Signalübertragungen im Gehirn zur Kontrolle der weichen Bewegungsabläufe nicht mehr störungsfrei ablaufen.
Das führt dann zu den typischen Symptomen: Zittern (Tremor), verlangsamte Bewegungen (Hypokinese), Muskelsteifigkeit (Rigor) und eine gestörte Haltungsstabilität. Interessanterweise gibt es oft schon Jahre vorher Hinweise für die Erkrankung, die in Summe ernst genommen und zur Vorstellung beim Neurologen führen sollten. Wenn es zu nicht erklärbaren Einschränkungen des Geruchs, vermehrter Neigung zur Verstopfung und Zunahme unruhiger Träume in der Nacht kommt, können das bereits Jahre vor dem Auftreten motorischer Symptome erste Hinweise für eine Parkinsonerkrankung sein.
Will man Parkinson in Schach halten, braucht es daher neben der medikamentösen Ergänzung des Botenstoffes Dopamin äußere Gegebenheiten, die dem Gehirn für einen gewünschten Bewegungsablauf in rascher Abfolge gezielte Bewegungskorrekturen abverlangen. Drei erfolgreiche Ansätze dafür sind ein wackliger Untergrund (Balance) ein kleiner schneller Ball (Tischtennis) und Musik mit einem schnellen Rhythmus (Tanzen). Parkinson therapieren ist also keine Einzeldisziplin sondern eher ein „Dreikampf“:
1. Der Tanz:
Gesunder Spaß für schnelle Beine
Freude an der Bewegung haben und gleichzeitig die körperliche Leistungsfähigkeit verbessern, ist das Ziel. Dafür ist Tanz eine geeignete Form. Die Musik wirkt positiv auf die Stimmung und gibt den Takt für die Bewegung vor. So wird der ganze Körper beansprucht und die Wirkung im Gehirn macht der Rhythmus. Er zwingt es, für die einzelnen Bewegungsschritte in schneller Abfolge Tremor, Hypokinese und Rigor zu unterdrücken.
Um positive Effekte zu erreichen, braucht es allerdings Regelmäßigkeit und Wiederholung. Zu empfehlen ist pro Woche ein Tanztraining von mindestens einer Stunde. So bekommt das Gehirn die nötigen Impulse, um sich speziell in der Substantia nigra zu erneuern: Neuroplastizität gegen das Zittern.
2. Balancieren bei jeder Gelegenheit
Jeder der unter Parkinson leidet, sollte regelmäßig balancieren. Jeder Baumstamm am Wegrand bietet sich an oder ein Balken daheim, wenn man einen Garten hat. Zuerst geht es natürlich noch nicht ohne Probleme. Regelmäßiges üben, möglichst nur ein paar Minuten, dafür aber täglich, sind nötig. Die Wirkung im Gehirn ist wie die beim Tanzen. Um nicht zu fallen müssen die Ausgleichsbewegungen sehr schnell erfolgen und das geht nur, wenn sie vom Gehirn automatisch blitzschnell gestartet und gestoppt werden.
Damit wird jener heilsame Stress ausgelöst, der das Hirn zwingt, die Bewegungen in Sekundenbruchteilen zu starten und zu stoppen. So werden mit der Zeit die neuronalen Lücken in der schwarzen Substanz repariert und mit viel Fleiß erhält man auch die gewünschte Bewegungskontrolle für den Alltag zurück.
3. Tischtennis
Ein sportliches Gemeinschaftserlebnis
Die Idee, Tischtennis zu spielen, um Parkinson in den Griff zu bekommen, stammt aus Amerika. Dort wurde es als eine Form der Therapie nachweislich erfolgreich eingesetzt. Im Jahr 2017 gelangte die Idee nach Deutschland. So etwa in Dachau, wo sich eine Selbsthilfegruppe gründete, die beim Sportverein TSV 1865 Dachau angebunden ist. Ihre erfolgreiche Arbeit mit Tipps für Betroffene findet man im Netz:
Ziel der Organisation ist das sportliche Gemeinschaftserlebnisse und Parkinson-Erkrankte aus der Selbstisolation zu holen. So steht das Gruppenerlebnis, der Spaß und nicht zuletzt die Stärkung des Selbstwertgefühls gleichberechtigt neben dem mittlerweile durch Studien bestätigten Therapieerfolg. Schließlich würden in den regelmäßigen Trainingsstunden „Ausdauer, gute Beinarbeit, schnelle Reaktionen und viel Balance“ gefordert. Und für das Gehirn ist Tischtennis spielen deshalb so bedeutend, weil der schnelle Ballwechsel ihm schnell Bewegungskorrekturen abverlangt. Nach jeder Stunde Training werden die Netze in der schwarzen Substanz ausgebessert oder ganz neue Verbindungen geschaffen.
Es gibt begründete Hoffnung!
Parkinson gilt bis heute als unheilbare Krankheit. Hoffnung, die Krankheit wenigstens in den Griff zu bekommen, gibt es aber mittlerweile und es ist wie bei der klassischen Demenz gezielte Bewegung. Für Betroffene mindestens ebenso wichtig sind die Selbsthilfegruppen, die sich mittlerweile lokal, regional und auch bundesweit etabliert haben. Die gesammelten Erfahrungen von Parkinson-Betroffenen, wie man etwa den Krankheitsverlauf zugunsten des Erhalts von Lebensqualität beeinflussen kann, haben mittlerweile auch ihren Weg in die Forschung und den klinischen Alltag gefunden.
Viele ältere Menschen sehen in der Vergesslichkeit schon die Vorboten einer Alzheimer-Erkrankung. Aber Vergesslichkeit ist im Alter normal. Also Entwarnung? Leider nein! Bei der Hälfte der „vergesslichen Alten“ findet man die Ursache im Gehirn und sie sind später auch von Demenz betroffen. Erst einmal abwarten und unbesorgt sein ist also keine Option.
Problematisch wird es, wenn zur Vergesslichkeit hinzu kommt, dass auch die alltäglichen Bewegungen zögerlich und unsicher werden oder die Orientierung nachlässt. Dann sollte der Hausarzt bemüht werden. Es gibt Untersuchungsmöglichkeiten, mit deren Hilfe sich feststellen lässt, ob es tatsächlich eine beginnende Demenz ist.
Was sind die Ursachen der Vergesslichkeit?
Erforscht wird alles und natürlich gibt es auch Studien zur „harmlosen“ Altersvergesslichkeit. Und es gibt auch Theorien, die in komplizierten Worten erklären, wie es sein könnte. Zuletzt muss die Forschung aber eingestehen: die genauen Ursachen sind nicht bekannt. (Näheres:https://www.alzheimer-bw.de/grundwissen-demenz/demenz-oder-normale-vergesslichkeit/)
Wollte man wissen, warum im Alter so viele Menschen nur vergesslich, nicht aber dement werden, dann müsste man wohl an anderer Stelle als dem Gehirn nach den Ursachen suchen. Vielleicht ist es nicht das Gehirn, sondern die Einstellung alter Menschen zum Leben: mangelnde Aufmerksamkeit, fehlende Neugierde, wenig Interesse an den Mitmenschen und ihren Geschichten, bis hin zu einem gewissen Überdruss an der Welt.
Kinder dagegen platzen vor Neugier! Sie wollen alles wissen und die Frage „warum“ können viele Eltern nicht mehr hören. Dabei gibt es bei Kindern kein zu viel an Neugier, eher ein zu wenig bei den Älteren. Leider ist uns im Alter abhandengekommen, nach dem Warum zu fragen, wie Kinder neugierig zu sein und die Welt jeden Tag wieder mit Staunen zu betrachten. Alexis Sorbas ist jene berühmte literarische Figur von Nikos Kazantzakis, die sich noch als alter Mann die Neugierde und Begeisterungsfähigkeit des Kindes bewahren konnte:
Begeisterungsfähigkeit des Kindes
„Er besaß alles … die schöpferische, jeden Morgen sich erneuernde Naivität, unaufhörlich alles zum ersten Mal zu sehen und den ewigen alltäglichen Elementen Jungfräulichkeit zu geben – dem Wind, dem Meer, dem Feuer, der Frau, dem Brot, die Sicherheit der Hand, die Frische des Herzens und die Tapferkeit, seine eigene Seele zu verlachen …“ (Nikos Kazantzakis: „Alexis Sorbas“)
Vergesslichkeit also ist ein Mangel. Ein Mangel an Neugier und Aufmerksamkeit und stattdessen eine zunehmende Interesselosigkeit an den Vorgängen der Welt. Man entfernt sich sozusagen in Trippelschritten langsam von einer Welt, in der man sich auskannte, die aber Jahr für Jahr weniger zu bieten hat. Demenz dagegen ist eine Krankheit. Eine Krankheit, die dem Menschen Plaque für Plaque das Gedächtnis nimmt, das im Leben lange selbstverständlich war.
Es gibt die Vergesslichkeit aufgrund des Alters und die aufgrund geschädigter Netze im Gehirn. Über erstere kann man lächelnd hinweg sehen, zweitere fordert ernsthaftes Handeln
Wann ist es Zeit, zum Arzt zu gehen?
Antwort: Wenn z.B. eine Person, die immer Spaß am Kochen hatte, in die Küche geht und dort nicht mehr weiß, was sie holen wollte, dann ist es Vergesslichkeit. Wenn die Person aber in der Küche steht und nicht mehr kochen kann, weil ihr die Küchengeräte fremd geworden sind und es auch nicht mehr schafft, gedanklich ein Menü voraus zu planen, dann wird’s bedenklich.
Oder wenn man als begeisterter Handwerker in die Werkstatt geht und sich mit den Werkzeugen nicht mehr zu Recht findet und im Kopf nicht mehr den Bau eines Vogelhäuschen planen kann, spätestens dann wird es Zeit zum Arzt zu gehen. Wie bereits oben ausgeführt, könnten eine Vielzahl von Demenzerkrankungen vermieden werden, wenn Einschränkungen der Sinnesfähigkeiten z.B. durch Hörgerät und/oder Brille frühzeitig korrigiert werden, die allgemeinen Gefäßrisikofaktoren, wie Blutdruck, Cholesterin und Blutzucker gut eingestellt werden. Daher macht es Sinn, bereits bei einsetzender Vergesslichkeit im Alter, einen Check der Hirngesundheit beim Arzt durchführen zu lassen.
Aus den Beispielen mit der Hausfrau und dem Hobbybastler, die sich in ihrer gewohnten Umgebung nicht mehr zu Recht finden, lässt sich gut auch eine allgemeine Formel entwickeln, wann es nicht mehr Vergesslichkeit ist, sondern der Beginn der gefährlichen Alterskrankheit: wenn aus den Signalen, die aus den Sinnen in die Steuerungszentrale Gehirn kommen, keine planvollen Handlungsanweisungen mehr entwickelt werden und in keine sinnvolle Vorgehensweise mehr umgesetzt werden können, dann sollte man sich ernsthafte Gedanken über seinen gesundheitlichen Zustand machen.
Dies lässt sich auch am praktischen Beispiel der Orientierung darstellen. Nach dem Einkauf steht man vor dem Geschäft und weiß plötzlich nicht mehr, wie man nach Hause kommt. Um jetzt einen kurzen und für zu Fuß sicheren Heimweg zu finden ist es notwendig, die “innere Landkarte” zu öffnen. Wenn auch dies nicht mehr gelingt, ist es wirklich höchste Eisenbahn.
Die Demenz zu vermeiden ist eine Frage der Bewegung. Die der Vergesslichkeit dagegen ist eine Frage der inneren Einstellung.
Wenn man sich vor Augen führt, welche Bedeutung der Bewegung bei der Entstehung und Entwicklung des Geistigen zukommt, dann liegt der Schluss nahe, es ist nicht das hohe Alter, das die Demenz fortschreiten lässt, sondern die von Jahr zu Jahr nachlassende Bewegung, mangelnde Neugier, soziale Isolation und die nachlassende Bereitschaft, sich zu wandeln. Alzheimer ist demnach keine schicksalsgegebene Alterskrankheit, sondern auch eine Folge eines ungesunden Lebensstil, welcher viel mit eingeschränkter Bewegung zu tun hat, was in zahlreichen wissenschaftlichen Studien belegt werden konnte.
Einteilen lässt sich die Krankheit nach ihrer Art in drei Gruppen und nach ihrem zeitlichen Verlauf in drei Phasen. Die Art der Demenz bezieht sich auf die unterschiedlichen Formen im Gehirn der Betroffenen, der Verlauf dagegen bezieht sich auf die körperlichen Auswirkungen der Krankheit. Quelle BGM:
– Die häufigste Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit. Alois Alzheimer fand vor mehr als 100 Jahren im Gehirn einer Patientin Eiweißablagerungen und mittlerweile weiß man, dass sich die schädlichen Eiweiße in den Nervenzellen selbst und an den Verbindungen zwischen den Nervenzellen anlagern. Diesem Prozess wird die Mehrzahl (65 Prozent) der Demenzfälle zugeordnet und er ist eine Folge des Abbauprozesses des Gehirns im Alter. Diese Eiweißablagerungen (sog. Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen) im Gehirn finden sich aber auch bei Menschen, die während ihres Lebens nie Anzeichen einer Demenz hatten, so dass wahrscheinlich weitere, noch nicht genau bekannte Ko-Faktoren eine wichtige Rolle beim Zustandekommen der Erkrankung spielen. Hier spielen neben den klassischen Gefäßrisikofaktoren (Bluthochdruck, Diabetes, Fettstoffwechselstörungen und Rauchen) auch chronische Entzündungsprozesse, die Ernährung und eben auch die mangelnde körperliche Aktivität eine wichtige Rolle..
– Bei Gruppe zwei, der gefäßbedingten, sog. vaskulären Demenz, mit rund 30 % an den Demenzformen ist die Krankheit die Folge nicht speziell des Alters, sondern zahlreicher, meist kleiner Durchblutungsstörungen im Gehirn, die zu kleinen Mini-Schlaganfällen (Infarkten) führen können. In der Mehrzahl ist die vaskuläre Demenz eine Folge der unkontrollierten Gefäßrisiko-faktoren, die man auch als „Demenzbeschleuniger“ bezeichnen könnte. Was man dagegen tun kann ist klar: gesünder leben.
– Die Gruppe drei, das sind die 5 % der Demenzen, die durch andere, potenziell behandelbare Erkrankungen verursacht werden. Hierzu zählen Gehirntumore, Schilddrüsenunterfunktion, Vitamin-B12 Mangel, Hirnentzündungen, chronischer Hirndruck, Schlaganfälle oder erblich bedingte Erkrankungen. Aus diesen Gründen gehört zu jeder Demenzabklärung eine gründliche internistische und neurologische Untersuchung.
Für 5 Prozent ist es Schicksal, für 30 Prozent der liederliche Lebenswandel und für 65 Prozent einfach nur das Alter
2. Die drei Phasen des Verlaufs von Demenz:
Alle geistigen Bereiche
Die Beeinträchtigungen durch die Altersdemenz umfassen alle geistigen Bereiche: das Denken, die Emotionen und die sozialen Fähigkeiten. Gestört ist die Sprache, die Motorik, das Identifizieren und schließlich die Exekutivfunktionen, also Planen, Organisieren und Reihenfolgen einhalten.
Am Anfang der Erkrankung stehen Störungen des Kurzzeitgedächtnisses und der Merkfähigkeit. Es beginnt mit Defiziten beim Lernen, beim Merken und dem Sprachfluss. Auch die Feinmotorik lässt in dieser Phase schon etwas nach. Man vergisst Termine, fühlt sich leicht reizbar und an unbekannten Orten alleine unsicher. Auf einem Bein stehen oder balancieren sind schon kaum mehr möglich.
Im mittleren Stadium ist das Gedächtnis schon deutlich betroffen und es folgen Störungen in der Orientierungsfähigkeit oder bekannte Personen werden nicht mehr erkannt. Immer weniger können die Betroffenen auf das Langzeitgedächtnis zurückgreifen, so dass man auch die im Leben erworbenen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten verliert. Sie leben vermehrt in der eigenen Realität und wenn sie in Situationen kommen, die sie nicht einschätzen können, reagieren sie zuweilen aggressiv oder mit unbegründeten Ängsten. Die Menschen sind in sich gekehrt und häufig kommt es zu Verhaltens- und Wesensveränderungen.
Im fortgeschrittenen Stadium verlernen die Patienten altbekannte Fertigkeiten und erkennen auch nahestehende Personen und alltägliche Gegenstände nicht mehr wieder. Im Alltag kommt man nicht mehr alleine zurecht und benötigt pflegerische Unterstützung. Da auch die Gefühle ein Produkt des Geistes sind, sind auch diese von der Krankheit betroffen. Patienten, die vorher friedfertig waren, geraten für Außenstehende scheinbar unbegründet in Wutausbrüche. Schuldgefühle und Selbstreflexion nehmen mehr und mehr ab. Das Kauen und Schlucken fällt schwer. Und auch Bewegung fällt immer schwerer und verliert sich zuletzt komplett.
Zuerst verliert sich das Merken, dann schwindet die Orientierung und zuletzt geht das ICH verloren
3. Verlust der Beweglichkeit durch Demenz: Die Balance, das erste Opfer der Plaques
Bei der senilen Demenz richtet sich die Aufmerksamkeit im Wesentlichen nur auf den Verfall der geistigen Fähigkeiten. Doch es gibt auch den Verfall der Beweglichkeit durch Demenz. Weil es viele körperliche Ursachen gibt, warum im Alter die Beweglichkeit abnimmt, wird es als eine natürliche Begleiterscheinung angesehen und zu wenig in Zusammenhang mit der geistigen Ursache Demenz gebracht.
Ein Grund für den Verfall der Beweglichkeit im Alter ist die Kombination von Eiweißablagerungen im Gehirn (sog. Amyloid-Plaques), verminderter Neuroplastizität und mangelnder sportlicher Betätigung. Demenz und Beweglichkeit verstärken sich wechselseitig und wenn die neuronalen Netze des Gehirns im Alter gestört werden, ist die Beweglichkeit das nächste Opfer.
Bewegung geht in drei Stufen verloren:
In drei Phasen kann man diesen Verlust der Beweglichkeit durch senile Plaques einteilen:
Am Anfang der Erkrankung geht die Balance verloren. Die Bewegungsabläufe werden zögerlich und sobald es uneben ist, wird auch das Gehen unsicher. Schon kleinere Stolperer können zu Stürzen führen und es wird immer schwieriger, einen stabilen Rhythmus zu finden und ihn dann länger zu halten.
Verlust der Balance
Im weiteren Verlauf werden Hilfen benötigt. Geländer für das Treppensteigen, ein Stock für das bloße Spazierengehen und ein Gehwagen für’s Einkaufen. Die Geschicklichkeit im Haushalt, bei der Gartenarbeit oder beim Handwerken geht verloren, bis man diese Dinge gar nicht mehr beherrscht.
Zuletzt führen die senilen Plaques zum vollkommenen Verlust, Bewegung zu steuern und die Muskeln zu koordinieren. Fort bewegen ist nur noch mit dem Rollstuhl möglich, selbstständig essen wird zunehmend unmöglich.
Die kognitiven Fähigkeiten sind von Mensch zu Mensch verschieden. Das liegt weniger an den unterschiedlichen Leistungsfähigkeiten des Gehirns, sondern am individuellen Charakter und der Einstellung zum Leben. Wenn man im Leben genügend motiviert ist, kann man durch die folgenden sechs Hilfsfunktionen, wenn sie geschult sind und bewusst angewandt werden, seine geistigen Fähigkeiten in optimaler Weise nutzen:
1. Aufmerksamkeit: Allgemein stellt Aufmerksamkeit die Konzentration der Wahrnehmung auf bestimmte Stimuli unserer Umwelt dar. Ein wesentlicher Bestandteil von Aufmerksamkeit ist die Auswahl von Informationen (Selektion), um sie dem Bewusstsein zugänglich zu machen und das Denken und Handeln zu steuern. Aufmerksam Leben ist Bedingung für einen leistungsfähigen Geist.
2.Wahrnehmung: Sie kann als Fähigkeit definiert werden, Information über die Sinne aktiv aufzunehmen, zu verarbeiten und ihr Sinn zu verleihen. Dies gelingt natürlich nur, wenn unsere Sinne optimal funktionieren bzw. adäquat genutzt werden. Leider nimmt der für die menschliche Kommunikation so wichtige Hörsinn im Alter rapide ab und wird nur selten rechtzeitig durch entsprechende Hörgeräte verbessert. Doch dazu später mehr.
3. Gedächtnis bezeichnet die Fähigkeit, aufgenommene Informationen umzuwandeln, zu speichern und wieder abzurufen. Unterschieden wird es in das Ultrakurzzeitgedächtnis, das Kurzzeitgedächtnis und das Langzeitgedächtnis, welche an verschiedenen Orten im Gehirn in sehr komplexen Netzwerken lokalisiert sind. (Zitat: Nature Arbeit 2024)
4. Die Sprache: Sprache ist die Fähigkeit, Gedanken und Gefühle durch gesprochene Worte auszudrücken. Sie ist ein Instrument der Kognition, die uns ermöglicht, zu kommunizieren und Informationen über uns selbst oder die Welt zu organisieren und Dritten zu übermitteln. Die Kunst der Rede (Rhetorik) gilt seit der Antike als wichtige Disziplin, die insbesondere in den meinungsbildenden Prozessen eine Rolle spielt. Nicht zu unterschätzen ist hierbei die Stimmgebung oder Sprachmelodie (Prosodie), die eine hoch komplexe koordinative Leistung darstellt und eine wichtige Verbindung zur Musik darstellt.
5. Das Lernen: Lernen ist ein Prozess, bei dem Informationen in den Verstand aufgenommen und dabei verändert werden. Diese Informationen wiederum werden dazu verwendet, sie in unser früheres Wissen zu integrieren und es zu erweitern. Und natürlich sollte das Lernen nicht auf die Kindheit beschränkt sein. Im Alter lässt die Bereitschaft, Neues zu lernen gerne mal nach.
6. Denken und Reflektieren ist für alle kognitiven Prozesse grundlegend. Es erlaubt uns, alle Informationen, die wir erhalten, zu integrieren und Beziehungen zwischen Ereignissen und Wissen herzustellen. Dafür werden logisches Denken, Synthese und Problemlösung (exekutive Funktionen) benötigt. Der Wahlspruch der Aufklärung, „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!“ wird bis heute sehr oft vernachlässigt, obwohl in unserer Zeit der schier unendlichen Informationsflut, gerade dieser Fähigkeit für die Evolution des Menschen eine ganz besondere Bedeutung zukommt. Im Alter bedeutet Reflektieren auch die Bereitschaft, seine eigenen Überzeugungen („das war schon immer so“) zu hinterfragen. Wer möchte schon gerne seine liebgewordenen Überzeugungen erschüttern und im Alter fällt das besonders schwer.
Eigentlich sollte es nicht schwer sein, sich die Hilfsfunktionen der Kognition zu bewahren. Aufmerksam durchs Leben gehen macht es überhaupt erst interessant und zur Aufmerksamkeit gehört, die Menschen um sich herum und die Geschehnisse in der Welt bewusst wahrzunehmen. Neugier und Interesse am Leben sind ein hohes Gut. Sie sollten kein Privileg der Jugend sein und dazu gehören die Bereitschaft, neues lernen zu wollen und alle Dinge zu reflektieren, für die es sich lohnt, zu leben.
Informationen speichern und verarbeiten, um die Welt zu interpretieren
Schier unbegrenzte körperliche Fähigkeiten
Dass der Mensch angeblich zwanzig höhere kognitive Fähigkeiten hat, ist umstritten. Experimente mit Tieren zeigen, diese können zumindest in Ansätzen viel mehr, als ihnen zugetraut wird und der Abstand bei den kognitiven Fähigkeiten wird von mal zu mal geringer. Trotzdem bleibt zwischen Tier und Mensch eine Lücke, die ohne Zweifel den besonders ausgeprägten neuronalen Netzen für unsere schier unbegrenzten körperlichen Fähigkeiten zuzuschreiben sind.
Der Mensch verweist stets auf seine besonders hochstehenden kognitiven Fähigkeiten, wenn es ihm darum geht, sich von den Tieren abzugrenzen. Allerdings sind ihm diese nicht ohne eigenes Zutun dauerhaft gegeben. Mit zunehmenden Alter sollte man sich deshalb näher mit dem Thema Kognition befassen, sich darüber informieren und zuletzt auch darum kümmern, dass die Fähigkeiten erhalten bleiben.
Bewegung bildet die Netze, der Geist benutzt sie
Definition Kognition: Bei allen Lebewesen, wenn sie Informationen wahrnehmen, verarbeiten und mit durch Erfahrung erworbenen Informationen verbinden, um die Welt zu bewerten und zu interpretieren, dann findet Kognition statt. Menschen haben zudem die Fähigkeit, diese Informationen in geeigneter Weise so umzuwandeln, dass sie im Leben bei passender Gelegenheit möglichst folgerichtig angewandt werden können.https://de.wikipedia.org/wiki/Kognition
Diese so definierte Fähigkeit der Informationsverarbeitung ist eine Eigenschaft des Geistes, die nicht allen Menschen in gleicher Weise gegeben ist und die bei vielen leider auch im Laufe des Lebens wieder nachlässt. Was sich bei den Kindern in ihrem Entdeckungs- und Bewegungsdrang scheinbar automatisch findet, verliert sich später (wie der Bewegungsdrang) bei zu geringer Nutzung von selbst. Was wir im Deutschen für die Gelenke gereimt haben „Wer rastet , der rostet“ lässt sich im Englischen umfassender gerade auch auf das Gehirn anwendbar in den Worten „Use it or lose it“ finden.
Bei der Geburt verfügen Kinder über eine große Anzahl an Nervenzellen (Neuronen), aber die Verbindungen zwischen diesen Zellen (Synapsen) sind noch wenig ausgebildet. Durch Bewegung und die sinnlichen Erfahrungen bilden sich diese Verbindungen im Gehirn. Dieser Prozess, bekannt als Synaptogenese und Neuroplastizität, ist entscheidend für die kognitive und motorische Entwicklung.
Erst einmal nutzlos
Schon bei der Geburt sind die 80 Milliarden Nervenzellen im Gehirn angelegt. Allerdings sind sie nicht verbunden und erst einmal nutzlos für die Wahrnehmung, das Nachdenken oder die Bewegung des Neugeborenen. Aber jedes unverbundene Neuron hat den inneren Drang sich zu verbinden und dieser Drang, mit 80 Mrd. multipliziert, signalisiert dem Kind „beweg dich“.
Genannt wird dieses Phänomen als „natürlicher Bewegungsdrang des Kindes“. Er ist nichts anderes als das, was die Neuronen, wenn sie noch unverbunden sind, benötigen: Bewegung. Erst die Bewegung ist es, die das Kind später befähigt, sportlich aktiv zu sein und geistige Leistungen zu vollbringen.
Lassen wir sie toben, klettern, raufen
Als Babys noch gänzlich unbeholfen, wollen sie es schon bald instinktiv den anderen Kindern gleichtun. Wenn man aufzählt, was sie sich in der Krabbelgruppe und später auf den Spielplätzen alles aneignen, kommt man schnell auf viele, typische Aktivitäten:
Aufstehen, Gehen, Fallen, Aufstehen, Laufen, Steigen, Rutschen, Schaukeln, Trampolin springen, Klettern, Balancieren, Radeln, Skaten, Hula Hoop, Fußball, Purzelbaum schlagen und was noch alles mehr. Alles wollen sie unbedingt können und machen es so lange, bis sie es beherrschen.
Kinder haben einen angeborenen Drang, sich zu bewegen, um ihre Umwelt zu erkunden und ihre motorischen Fähigkeiten zu entwickeln. Diese Bewegungen fördern die Synaptogenese, indem sie neue neuronale Verbindungen schaffen.
B. Die Vorsicht des geschädigten neuronalen Netzes vor komplexer Bewegung
Im Alter lässt der Bewegungsdrang bekanntlich nach und es stellt sich die Frage, gibt es neben dem Bewegungsdrang des Kindes auch einen Drang zur Vermeidung von Bewegung bei den Alten? Wenn also aus dem inneren Gehirns nicht jene Signale ausgesandt werden, die das Kind zur Aktivität antreibt, sondern solche zur Vermeidung von Bewegung.
Vorstellbar ist, dass im Alter von geschädigten neuronalen Netzen, verbunden mit dem nachlassenden Gleichgewichtssinn und schwindenden Muskeln dem Körper aufgegeben wird, Bewegung im Allgemeine und komplex zu koordinierende Bewegungen im Besonderen tunlichst zu vermeiden. Geschädigte Netze melden demnach dem Körper instinktiv, jene Aktivitäten zu meiden, die es nicht mehr sicher auszuführen vermag.
Rein bewegungstechnisch gesehen ist das Leben nichts weiter, als eine stetige Transformation, ausgehend vom Bewegungsdrang des Kindes hin zum inneren Schweinehund im Alter.
Das Unterbewusstsein im Konflikt
Im Alter ist es jedes mal eine Überwindung, sich sportlich zu betätigen und es stellt sich die Frage, warum das eigentlich so ist. Eine Begründung auf diese Frage kann man im Unterbewusstsein finden, denn ob und wie wir uns bewegen, hängt sehr von ihm ab. Und für das Unterbewusstsein wiederum hat jede einzelne Nervenzelle einen Einfluss je nach dem in welchem Zustand sich das Neuron befindet: Wenn die Nervenzelle heil und unverbunden ist, dann signalisiert sie dem Unterbewusstsein, „beweg’ dich“, wenn sie heil und im neuronalen Netz eingebunden ist, signalisiert sie „ich wäre bereit zur Bewegung“. Wenn Nervenzelle aber durch Plaques zerstört sind, dann signalisieren sie „halt’ still“.
Im Zweifel für den Körper
Das Unterbewusstsein ist sozusagen im Konflikt zwischen dem Erhalt körperlicher und dem Erhalt geistiger Gesundheit und in der Regel entscheidet man sich im Alter für den Körper (Sturzvermeidung) und gegen den Geist. Die Folgen sind bekannt: nur wenige alte Menschen betätigen sich körperlich anspruchsvoll und die steigenden Zahlen pflegebedürftiger alter Menschen sprechen Bände.
Um geistige Gesundheit im Alter zu erhalten, bedarf es also nichts weniger als sich täglich entgegen seinem Unterbewusstsein aufzuraffen und sportlich aktiv zu werden. Für den inneren Schweinehund gilt nämlich auch umgekehrt, dass durch Bewegung die Muskeln so gestärkt werden und der Gleichgewichtssinn so erhalten bleibt, dass im Alter viele noch gerne Sport treiben. Schweinehund hin oder her.
So wie man Kinder anhalten muss, auch einmal still zu sitzen, muss man sich im Alter aufraffen, sich zu bewegen
Eine für das Gehirn entscheidende Entwicklung war in der Evolution dann die „Erfindung“ des aufrechten Gangs vor rund vier Millionen Jahren. Mit ihm erfolgte der Übergang zu den Menschenaffen, die nicht mehr auf allen Vieren krochen, sondern auf zwei Beinen das Gleichgewicht halten mussten. Dazu brauchten sie ein besonders gut ausgestattetes Gehirn. Um Stabilität auf zwei Beinen zu gewährleisten bedurfte es einer wahren Explosion von neuen Schaltverbindungen und Schaltkreisen in einem dafür vergrößerten Gehirn.
Eine zweibeinige Lebensweise war für das Gehirn auch deshalb eine große Herausforderung, weil es die durch die Sinne gelieferten visuellen Informationen aus dem Untergrund und der Umgebung wie in einem Rechenzentrum in Befehle für jeden einzelnen Muskel umrechnen muss, um komplexe Fortbewegung sturzfrei abwickeln zu können. Und nachdem der Mensch mit dem aufrechten Gang einmal begonnen hat, ging es mit den Herausforderungen erst richtig los.
Seither, also seit 4 Mio. Jahren, optimiert das Gehirn den aufrechten Gang vom einfachen Gehen über das Laufen und Springen im Gelände bis hin zum Balancieren und schließlich sogar das „Gehen“ auf den Händen. Die dafür entstandenen riesigen Netze machten schließlich die kognitiven Leistung möglich und man kann sagen, das heutige Denken ist eigentlich ein zufälliges Nebenprodukt der besonders komplex zu koordinierender Fortbewegung auf zwei Beinen.
Augen und Hände im Zusammenspiel
Mit dem aufrechten Gang wurden beim Menschen die Hände frei. Das Zusammenspiel geschickter Hände mit den Augen, verknüpft durch das Gehirn, machte alles möglich: den Faustkeil, das Tongefäß und das Jagen mit dem Speer.
Schließlich war es in der Evolution dann so weit: das Bewusstsein, die Sprache und das Denken konnten entstehen. Der Verstand lernte die für die Bewegung gebildeten komplexen Schaltkreise zu nutzen, sozusagen auf den neuronalen Netzen regelrecht zu “surfen”. Zuerst war also das Laufen, Jagen und komplex Hantieren und danach entstand alles Kognitive: die Wörter, das Denken, das Lernen und Merken.
Vorbereitung für die Schule
Der gleiche Vorgang, wofür die Evolution Millionen von Jahren gebraucht hat, spielt sich bei jedem Kleinkind rasend schnell ab. Durch die zunehmenden körperlichen Aktivitäten bilden und verfeinern sich die Schaltkreise des Kindes, bis sie dann für die Verstandesleistungen bereit sind.
Bewegungsstress, die Kinder leben ihn
Nach der Geburt vergehen in der Regel sechs Jahre bis zum Schulbeginn. Diese Zeit der frühen Kindheit ist davon geprägt, dass sich jene Netze im Gehirn bilden, die den Anforderungen der Schule dann genügen sollten. Bei der Netzbildung ist jeder neu zu erlernende Bewegungsablauf zur Erweiterung der Schaltkreise von Nutzen.
Der natürliche Bewegungsdrang:An jedem Spielplatz kann man es sehen:die Kinder hüpfen, klettern, balancieren und die Mütter sitzen am Rand.Noch nirgendwo hat man es umgekehrt gesehen.
Evolution des Geistes durch immer komplexere Bewegung
Nachdem sich mit dem Paarungstrieb zum ersten Mal in einem Lebewesen etwas kognitives ereignete, wurde in der Evolution alles möglich. Es begann die Evolution des Geistes, bei der die Muskeln der Lebewesen von Art zu Art mehr wurden und sich gleichzeitig das Leistungsvermögen deren Geistes weiter entwickelte. Anfangs war es ein Muskel, den zu steuern es keines geistigen Aufwands bedurfte. Mit jedem Evolutionsschritt kamen weitere Muskeln und Muskelgruppen hinzu und das Gehirn wurde mehr und mehr gefordert, diese zu koordinieren.
Erstaunlich intelligent
Hühner etwa haben 175 verschiedene Muskeln, die ihnen eine Vielzahl von Bewegungen ermöglichen. Entgegen landläufiger Meinung sind Hühner aber auch erstaunlich intelligente Tiere mit einer Vielzahl kognitiver Fähigkeiten.
Studien zeigen, dass Hühner in der Lage sind, Probleme zu lösen, zu lernen und sich an vergangene Ereignisse zu erinnern. Sie kommunizieren über eine Vielzahl von Lauten und Signalen, die ähnlich wie menschliche Worte funktionieren. Außerdem können sie Farben unterscheiden und haben ein gutes Gespür für Über- und Unterordnung.
Beim Menschen mit 656 Muskeln sind die Kombinationsmöglichkeiten, sich zu bewegen schier unendlich groß und durch das dafür erforderliche neuronale Netz wurde zuletzt der Schritt zu den Verstandesleistungen des Menschen möglich.
Evolution lässt sich erklären durch Selektion und Anpassung, aber auch durch fortlaufende Zunahme der Komplexität von Bewegung
Die drei Stufen der Evolution des Geistes
Drei entscheidende Entwicklungsstufen waren es, die in der Evolution von den ersten Anfängen des Geistes bis hin zu den Verstandesleistungen des Menschen von heute führte:
1. Stufe: Mit einer ersten Bewegung kam vor 700 Mio. Jahren mit der Koordination erstmals das Geistige in die Welt. Es war nur ein kleiner Schritt, eine ganz kleine Bewegung, die jedoch die gesamte Evolution alles Geistigen einleitete.
2.Stufe: Millionen Jahre später war es der Paarungstrieb mit dem sich erstmals in Form einer Kombination von Aufmerksamkeit und Wahrnehmung die Grundprozesse der Kognition herausbildeten. In der nachfolgenden Evolution im Tierreich bildeten sich parallel zur Entwicklung der geistigen Herausforderungen für die Koordination weitere Emotionen und Gefühle (Überlebenstrieb, Jagdtrieb, Freude, Traurigkeit und über 20 weitere Gefühle) heraus und verfeinerten sich mit jeder Tierart.
Das reiche Seelenleben der Tiere
Lange Zeit wurde von den Menschen den Tieren ein eigenes Seelenleben abgesprochen. Längst wissen wir es besser und den Tieren werden heute eine Vielzahl von Gefühlen zugeschrieben. Die Entwicklung der Arten im Tierreich von einfachen zu höheren Lebewesen verlief parallel zur Entwicklung von immer komplexer zu koordinierenden Bewegungsabläufen und zunehmend reicherem und tieferem Seelenleben der Tiere.
3. Stufe: Zuletzt war es schließlich der Mensch, der den entscheidenden Schritt zum Denken, Reflektieren und zur Sprache vollzog. Durch vielfältige Bewegung bilden sich eine Vielzahl neuronale Schaltkreise und mit jedem dieser neuen Schaltkreise wurden die Möglichkeiten, Geistiges zu leisten, vielfältiger. Schließlich brachte die Evolution mit dem Menschen ein Lebewesen hervor, das sich auf zwei Beinen über weite Strecken fortbewegen konnte, seine Umwelt durch Werkzeuggebrauch der Hände gestalten lernte und mit der Möglichkeit zu kommunizieren, Wörter zu bilden, diese zu speichern und mehr oder weniger sinnvoll zu kombinieren, entscheidende Vorteile gegenüber den anderen Lebewesen im Tierreich.
Jeder Mensch hat ein anderes neuronales Netz
Unser Gehirn besteht aus ca. 80 Milliarden Nervenzellen, von denen jede einzelne Zelle mit über 10.000 weiteren Neuronen Verbindungen (sog. Synapsen) ausbilden kann. Diese unvorstellbar fein gesponnenen Netze sind kein bloßes Gewirr ohne jede Systematik. Die Netzbildung ist stets eine Folge von komplexen Wahrnehmungen der Umwelt über unsere Sinnesorgane und regelmäßig ausgeführten Bewegungsabläufen des Individuums und je nach Lebenslage des Menschen und seiner Aktivitäten sind die Schaltkreise eines jeden Menschen anders geknüpft als die seiner Mitmenschen und können sich individuell den wandelnden Bedürfnissen anpassen. Man kann also sagen, dass jeder Mensch ein anderes Netz hat, weil seine Muskeln tagtäglich ein individuelles Zusammenwirken vollführen, welches z.B. in der eigenen Mimik, Gestik, Stimmfall oder Gangbild zum Ausdruck kommt. Und dieses ganz eigene Zusammenwirken der Muskeln spiegelt sich in seinem Gehirn wieder. Jedes Gehirn ist anders und jeden Tag neu !
Kein bloßes Gewirr: Die Netze, Spiegelbild des Zusammenwirkens der Muskeln
Wenn es heißt „Interaktionen des Muskelapparates“, dann meint das nicht, dass im Hirn eines jeden Menschen die Muskeln abgebildet sind, sondern ein Abbild deren Zusammenwirkens. Wenn für einen Bewegungsablauf sehr viele Muskeln zusammenwirken, dann sorgen für deren Koordination die entsprechenden Schaltkreise im Kopf. Je vielzähliger die ausgeübten sportlichen Aktivitäten sind und je größer die Zahl der dabei beteiligten Muskeln ist, desto weiter und feiner gesponnene Netze sind im Gehirn spiegelbildlich abgebildet.
Schaltkreise gibt es im Gehirn in großer Zahl, da praktisch jede Bewegung, die regelmäßig ausgeübt wird, von einer anderen Muskelkombination ausgeführt und deshalb von einem anderen Netzwerk zu koordinieren ist. Und alle Netze für alle Arten von Bewegung zusammen genommen, ergeben zuletzt ein Großteil der Gehirnfunktionen eines Menschen. Ergebnis: Vielseitige Bewegung, soziale Interaktionen und Kommunikation schaffen viele intakte Schaltkreise und tragen zur Gesunderhaltung unseres Gehirn ganz wesentlich bei. Die Wissenschaft spricht auch von der „sensomotorischen Interaktion mit unserer Umwelt“.
Drei Beispiele für: „Spiegelbildliche Abbildung der Interaktion des Muskelapparates“
1. Lächeln
Für ein freundliches Lächeln müssen mehr als ein Dutzend Gesichtsmuskeln zusammenwirken. Bewerkstelligt wird diese Interaktion im für die Bewegung zuständigen Bereich in der Großhirnrinde (motorischen Cortex) durch ein kleines neuronales Netz von vielleicht gerade mal ein paar Millionen Nervenzellen.
2. Lächeln und Gehen
Jemandem im Vorübergehen ein freundliches Gesicht zu zeigen, bedarf schon des Zusammenwirkens von Dutzenden von Muskeln für das Gehen und für das Lächeln. Und natürlich ist auch das dafür erforderliche Netz erheblich größer, mit sicher mehr zehn mal so vielen gemeinsam agierenden Neuronen als beim Lächeln.
3. Langlauf-Skating
Wer Langlauf-Skating lernen will, benötigt dafür einen Schaltkreis, der sich über alle Areale des Gehirns erstreckt. Das erforderliche Netz muss beim Skaten beinahe alle 656 Muskeln koordinieren und besteht demnach aus vielen Milliarden von zusammenwirkenden Nervenzellen. Und diese Interaktion des gesamten Muskelapparates spiegelt sich, wenn man das Skaten schließlich kann, auch durch ein entsprechend großes Netz im Gehirn wider.
Enorme Bedeutung für das Alter
Wenn die Erkenntnis, wonach das Gehirn ein Abbild aller Muskelinteraktionen für die regelmäßig ausgeübten körperlichen Aktivitäten ist, dann hat das für die Menschen im Alter eine enorme Bedeutung. Es bedeutet nämlich im Umkehrschluss nicht weniger, als dass nachlassende Aktivitäten unmittelbare Auswirkungen im Gehirn haben: die Schaltkreise werden brüchig, sie lösen sich auf und das gesamte neuronale Netz baut sich spiegelbildlich zu den nachlassenden Muskelaktivitäten ab.
Für die geistige Vielfalt hat das in letzter Konsequenz zur Folge, dass es nicht einer sportlichen Aktivität sondern derer viele bedarf. Mit jeder ehedem ausgeübten Sportart, die im Alter aufgegeben wird, geht nämlich ein Teil des Netzes verloren und damit verliert sich auch das Potenzial für geistige Vielfalt, eine blühende Phantasie und einen großen Horizont.
Wer selten lächelt, wird es irgendwann einmal nur mehr gequält können
Zuerst hatten die Nervenzellen nur eine Funktion. Ihre Aufgabe war es, in einem Muskel die entsprechenden Impulse auszulösen um Bewegung anzustoßen oder zu beenden. Dafür waren erst nur wenige Nervenzellen nötig, aber mit der Bildung weiterer Muskeln wurde es erforderlich, mehr und mehr dieser Zellen zu bilden. Aus heutiger Sicht war ihre Anzahl aber nur sehr bescheiden. Das änderte sich, als in den Lebewesen zur ihrer Funktion der Koordination der Bewegung noch eine weitere Funktion hinzukam: Die Kognition.
Auf welche Weise kam das Kognitive in die Welt?
Der erste Schritt zur Kognition (Gedanken und Gefühle), also zu einem rein geistigen Vorgang, war auf dem Weg zur Menschheit von großer Bedeutung. Es musste ein bereits höher entwickeltes Wesen sein, das über ein zentrales Gehirn verfügte, denn es waren keine Impulse hin zu einem Muskel, sondern (nur) ein Prozess innerhalb des Gehirns. Dieser Vorgang ereignete sich erst lange nach dem ersten Impuls zur Auslösung einer Bewegung. Dass es so lange dauerte, liegt daran, dass jene Urtierchen, die sich zuerst entwickelten, solche waren, die sich durch Zellteilung vermehren.
Zur Vermehrung durch Zellteilung braucht es keinen Geist
Mit der Entstehung der Nervenzellen war die Grundlage für das Kognitive entstanden. Bis sich aber ein solcher rein geistiger Vorgang ereignete, dauerte es sehr lange und das lag an der Art der Fortpflanzung der Urtierchen: Zellteilung (Bild).
War der Trieb der Ursprung des Kognitiven?
Dann gab es erneut eine entscheidende Wendung: weg von der asexuellen Vermehrung durch Zellteilung hin zur geschlechtlichen Vermehrung. Mit diesem Schritt bekamen die Nervenzellen neben der Koordination eine zweite Aufgabe: den Trieb. In den Lebewesen mussten erste ganz feine neuronale Impulse entstehen, für einen Vorgang, den man heute mit dem Begriff “Paarung” bezeichnet. Es war nur so eine Art Triebhaftigkeit, nicht das was Menschen heute darunter verstehen. Ein Schritt, unmerklich, aber es war in der Evolution der Start des kognitiven Geistes und somit der Ausgangspunkt höheren Lebens.
Wikipedia war dabei!
Unter dem Stichwort „Evolution der Sexualität“ wird in Wikipedia eingehend dargestellt, dass in der Evolution die Sexualität eine entscheidende Rolle für die Entstehung des kognitiven Denkens hat:
“Die Herausbildung der Sexualität ist eine der Hauptfaktoren und gleichzeitig ein Ergebnis der biologischen Evolution. Die Entstehung von unterschiedlichen Geschlechtern und Paarungstypen gilt als Ausgangspunkt für die Entwicklung höherer Lebewesen aus ursprünglich geschlechtslosen Einzellern, die sich nur asexuell (vegetativ) fortpflanzten.” (Wikipedia: Evolution der Sexualtät“)