Demenz in Deutschland


Die aktuelle Einwohnerzahl Deutschlands liegt bei rund 83,5 Millionen Menschen, davon sind 19 Millionen über 65 Jahre alt.

1. Aktuelle Zahlen

Von den 19 Millionen Menschen über 65 Jahren leiden derzeit etwa 1,8 Millionen an einer Demenz, davon rund zwei Drittel (1,2 Millionen) an Alzheimer-Demenz.

Deutlich mehr Menschen sind jedoch von der Vorstufe der Demenz (Mild Cognitive Impairment, MCI) betroffen. Ihre Zahl lässt sich nur schätzen; der Mittelwert liegt bei etwa 2,85 Millionen Menschen (entspricht rund 15 %). Diese Zahl ist besonders bedeutsam, da sie das Potenzial derjenigen beschreibt, bei denen sich in den kommenden Jahren die Krankheit manifestieren könnte.

MCI gilt als klinisch relevante Vorstufe einer Demenzerkrankung, wobei ein erheblicher Anteil der Betroffenen im Verlauf eine Alzheimer-Demenz entwickelt. Trotz dieses nachgewiesenen Risikoprofils und der potenziellen Progression zur Demenz erhält diese Patientengruppe im Gesundheitssystem bislang wenig Aufmerksamkeit. Fast dreiMillionen Menschen in Anbetracht einer schwerwiegenden Krankheit sehen sich allein gelassen.

Einen hoffnungsvollen Ansatz zur Prävention neurodegenerativer Prozesse gibt es

Nach aktuellen Prognosen (DZNE, Deutsche Alzheimergesellschaft) ist davon auszugehen dass die Zahl der Alzheimerpatienten in Deutschland per Saldo bis zum Jahr 2030 von 1,8 Mio. auf 2 Mio. steigen wird. Eine besorgniserregende Entwicklung, der aber die neurowissenschaftliche Forschung eindeutige Hinweise auf wirksame Interventionsmöglichkeiten entgegensetzen kann. Pharmakologische Therapien können den neurodegenerativen Prozess verlangsamen, jedoch nicht die strukturellen Grundlagen kognitiver Leistungsfähigkeit wiederherstellen. Diese hängen wesentlich von synaptischer Dichte, dendritischer Vernetzung und neurovaskulärer Gesundheit ab – Faktoren, die in besonderem Maße durch komplexe körperliche Aktivität beeinflusst werden.

Studien legen nahe (der endgültige Beweis dafür steht noch aus), dass koordinativ anspruchsvolle Bewegungsformen – etwa Tanz, Tischtennis, Wandern im Gelände, Sportarten mit wechselnden Bewegungsfolgen oder Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts – zahlreiche Hirnareale gleichzeitig aktivieren. Diese multimodale Stimulation fördert die Synaptogenese, verbessert die zerebrale Durchblutung und unterstützt den Aufbau neuer neuronaler Netzwerke. Selbst bei bestehender Neurodegeneration kann das Gehirn durch diese Reize neue Verbindungen ausbilden. Entscheidend ist daher nicht primär die Anzahl der Nervenzellen, sondern die Qualität und Plastizität ihrer Vernetzung.

Frühe Diagnostik, pharmakologische Therapie und eine Lebensweise, die das Gehirn fordert

Die zentrale Botschaft lautet: Der effektivste Ansatz zur Prävention und Verlangsamung neurodegenerativer Prozesse liegt in einer konsequenten Kombination aus früher Diagnostik, pharmakologischer Therapie – wo angezeigt – und einer Lebensweise, die das Gehirn dauerhaft fordert. Bewegung, Schlaf, Ernährung, geistige und soziale Aktivität sind keine additive Ergänzung zur medikamentösen Behandlung, sondern integrale Bestandteile eines wirksamen Präventions- und Therapieansatzes.

Demenz entsteht nicht von heute auf morgen. Sie entwickelt sich über Jahre, häufig unbemerkt oder verdrängt. Doch wissenschaftlich ist klar: Menschen haben mehr Einfluss auf diesen Verlauf, als lange angenommen wurde. Wer frühzeitig beginnt, körperlich und kognitiv vielfältige Reize zu setzen, stärkt die neuronale Reserve und damit die Wahrscheinlichkeit, auch im hohen Alter geistig leistungsfähig zu bleiben.

Pharmakologische Innovationen wie Lecanemab sind wertvolle Bausteine – aber sie können dasjenige nicht ersetzen, was das Gehirn in jedem Lebensalter benötigt: systematisch gesetzte, anspruchsvolle Bewegung als Motor neuronaler Gesundheit.


Hinweis: Die Zahlen sind Schätzungen basierend auf epidemiologischen Studien und können je nach Quelle leicht variieren.

Nähere Ausführungen dazu: Abschnitt zwei (Das Gehirn)

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Einleitung


MCI (Mild Cognitive Impairment) ist der Fachbegriff für „leichte kognitive Störungen“ und meint nichts anderes als erste Anzeichen von Demenz. Ursache dafür ist ein Jahrzehnte lang sorglos geführtes Leben und typische Anzeichen sind Orientierungsstörungen, häufige Schwindelgefühle, verminderte Beweglichkeit, Vergesslichkeit oder Wortfindungsstörungen.

Bei den über 60-jährigen ist MCI weit verbreitet und viele davon werden, wie die Statistik zeigt, früher oder später dement sein. Die Frage für die Menschen im Alter ist, was man nach so vielen Jahren tun kann, die unvermeidlichen Folgen noch abzuwenden. Praktisch alle Ratgeber empfehlen, gesund zu leben. Allerdings, im Alter von 60 Jahren und mehr ist es dafür längst zu spät und so empfiehltsich, nach den Erfahrungen von Zentren für Hirngesundheit, also dort, wo man Erfahrungen mit der Erneuerung geschädigter Gehirne hat, zu handeln.

Erneuerung

Die Erkenntnisse aus deren Arbeit, übertragen auf die Schädigungen, die das Leben mit sich bringt, sind unmissverständlich: „Beweg Dich!“. Beweg Dich meint für jene, deren Gehirne geschädigt sind, die Möglichkeiten der „Neuroplastizität“ für ihre sportlichen Aktivitäten zu nutzen. Neuronale Plastizität, das ist die erstaunliche Fähigkeit des Gehirns, sich ständig zu erneuern, wenn es die entsprechenden Impulse durch Bewegung bekommt. Zwei Arten von Bewegung unterscheiden sich bezüglich der Neuroplastizität: Erstens, die das Gehirn erneuernde Art von Bewegung (koordinativ fordernd) und zweitens, die das Gehirn nur wenig fordernde Art (Ausdauersport).

Nicht das Ob, sondern das Wie ist entscheidend für die geistige Gesundheit im Alter. Über das Wie will diese Arbeit informieren und stellt dabei zwei Fragen: welche Bedeutung hat Bewegung für das Gehirn und welche Bedeutung hat koordinativ anspruchsvolle Bewegung für das geschädigte Gehirn.

Die Entdeckung des Wirkstoffs gegen die Krankheit Alzheimer

Die Website zeigt nachfolgend auf, dass es den Wirkstoff gegen die Ausbreitung der Demenz gibt. Es ist eine bittere Pille und nicht alle werden bereit sein diese einzunehmen. Die Entdeckung aber ist gemacht.

Die Autoren

Die Autoren:

Ulrich Scheuerl, Bad Reichenhall

„Gemäßigter Ausdauersport kann Demenz vermeiden!“ Mit dem Zweifel daran, dass dieser Ratschlag stimmt, begannen die Arbeiten zu dem vorliegenden Buch. Radeln, Laufen und Wandern sollten reichen, wenn man nach einem sorglos geführten Leben geistig gesund bleiben will. Wo bleibt da das Gehirn? Die Antwort auf die Frage, wie das Gehirn gesund bleiben kann, will das vorliegende Buch liefern.

Ulrich Scheuerl begann im Alter von 65 Jahren seine sportlichen Aktivitäten von Ausdauersport auf Koordinativsport umzustellen. Gleichzeitig begann er Studien dahingehend zu lesen, wie man im Alter durch Bewegung Demenz vermeiden könnte. In all den Studien wurde einheitlich untersucht, ob man durch „altersgerecht“ ausgeübten Ausdauersport Demenz verzögern kann. In keiner der Studien wird ausgeführt oder auch nur untersucht, ob man sich im Alter mit vielfältiger und koordinativ fordernder Bewegung geistig fit halten kann.

Genau das war der Ansatz, den Ulrich Scheuerl vor rund fünf Jahren gewählt hat und seine praktischen Erfahrungen mit jenen Aktivitäten, von denen er sich Hirngesundheit erwartet, wurden für den vorliegenden Erfahrungsbericht aufgeschrieben. „Wenn ich Menschen motivieren kann, solchermaßen aktiv zu werden, wäre das ein erfreuliches Ergebnis“, so der Autor.

1953 in Bad Reichenhall geboren, hat er zeitlebens hier gewohnt und gearbeitet. Beruflich war er 40 Jahre lang stets am Schreibtisch einer Bank tätig. Da er „normal“, also eher ungesund gelebt hat und die neuronalen Schaltkreise vermutlich geschädigt sind, beschäftigt er sich seither mit dem Thema „Alzheimer“ und hat sich vorgenommen, durch sportliche Aktivitäten, möglichst zusammen mit Gleichgesinnten, geistig vital zu bleiben.

Prof. Dr. Peter Rieckmann, Bad Reichenhall

Prof. Dr. Peter Rieckmann ist Jahrgang 1961, verheiratet und dreifacher Vater. Nach dem Medizinstudium in Göttingen mit Studienaufenthalten in Bombay und London erfolgte 1988 seine Approbation als Arzt und 1995 als Facharzt für Neurologie.

Weitere Stationen seines beruflichen Werdegangs sind eine Postdoktorandenzeit am National Institut of Health (NIH) in USA in der Arbeitsgruppe des früheren Präsidenten-arztes Dr. Antony Fauci sowie seine Spezialisierung in der Neuroimmunologie als Oberarzt in der Neurologie des Universitätsklinikum Würzburg bei Prof. Dr. Klaus Toyka.Er arbeitete am Aufbau des „Center for Brain Health” an der Universität von British Columbia in Vancouver/Kanada mit sowie am Aufbau des ersten Deutschen Herz-Hirn-Zentrums in Bamberg, welches er auch leitete. Aufbauarbeit leistete Prof. Dr. Peter Rieckmann auch beim Zentrum für klinische Neuroplastizität mit der Einführung der digitalen Erfassung funktionell relevanter Erfolgsparameter in Kooperation mit der Technischen Universität München. Prof. Dr. Rieckmann wurden im bisherigen Verlauf seines Werdegangs zahlreiche Preise und Auszeichnungen verliehen und es sind von ihm 294 medizinische Publikationen erschienen. Zuletzt war er als Chefarzt in einer Fachklinik für Neurologie im Berchtesgadener Land tätig.

In seiner Freizeit genießt er das Zusammensein mit seiner Familie unter anderem beim Sport und Kochen. Entspannung findet er bei guter Musik.


Die Autoren Ulrich Scheuerl und Dr. Peter Rieckmann sind überzeugt: im Alter sollte man aktiv sein und speziell mit Übungen für Koordination und Balance ist es möglich, geistig gesund zu bleiben. Egal ob man gesund gelebt, oder aber seinen grauen Zellen einiges zugemutet hat.

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Danksagung, Quellenangabe und Impressum

Danksagung

Wenn man Sport betreibt, für den es von Vorteil ist, geführt und angeleitet zu werden, braucht es in der Regel sachkundiger Trainer. Und um die Wirkung von Bewegung auf Körper und Geist zu erfahren und schriftlich korrekt zu formulieren braucht es ausgebildete Therapeuten und wissenschaftliche Beratung. Viele haben mitgeholfen, dass diese Website entstehen konnte und allen schulde ich Dank:

Univ. Professor Dr. Rolf Darge: Dozent für Philosophie an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Salzburg, für den Abschnitt 4: das Leib- Seele-Problem in der Philosophie

MMag. Dr. Judith Haudum: Ernährungswissenschaftlerin Uni Salzburg, für den Beitrag Sport und Ernährung

Ulrike Oswald: Ausbildung in Vinyasa Yoga, Kursleiterin QiGong, Zertifikate in Fuctional Fitness und Rückenfitness, Entspannungtrainerin, Übungsleiterin „Sport für Ältere“, für den Abschnitt fünf: im Alter fit bleiben

Daniela Schröfl: Gesundheitscoach – Heilpraktikerin für Physiotherapie Physiotherapeutin – Ernährungsberaterin – Kursleiterin. Für den Beitrag Hula Hoop

Sissi und Erika, die Vorturnerinnen unserer Sportgruppe in Reichenhall. Übungen für die Balance und den Gleichgewichtssinn

Barbara und Nicole: Gymnastik- und Koordinationstrainerinnen beim DAV in Bad Reichenhall Für den Abschnitt: Übungen für zu Hause

Ulli Fagerer: ausgebildeter Polizeiberg- und Kletterführer für die Beiträge Klettern und Bergsteigen

Stefan Helminger: Dipl. Sportwissenschaftler für die Beiträge Aquatraining und Sitzgymnastik

Anette Peters: geprüfte Sitztanzlehrerin für den Beitrag Tanzen im Sitzen (TiS)

Irmgard Steib: geprüfte Tanzlehrerin für den Beitrag Tanzen auf der Fläche

Dr. Angelika Wenig: für die Beiträge Musizieren und Singen im Chor

Martin Köppl: für die wertvollen Anregungen und das Feed-Back, den Inhalt übersichtlich und lesbar aufzubereiten.

und besonderer Dank an meine Frau, die mich sehr oft von allzu phantasiegeleiteten Verirrungen in den Formulierungen auf den seriösen Weg zurückgebracht hat.


Quellenangaben

1. Literatur

Bundesministerium für Gesundheit: Nationale Demenzstrategie

Bundesministerium für Gesundheit: Ratgeber Demenz, Informationen für die häusliche Pflege von Menschen mit Demenz

Deutsche Alzheimer Ges.: Miteinander aktiv

Demenz verstehen und achtsam begleiten: Peggy Elfmann, Wort & Bild Verlag

Dr. Sarah Straub: Wie meine Großmutter ihr ICH verlor (Kösel Verlag)

Dr. med. Martin Schlott: “Erfolgsfaktor Schlaf” (Ariston Verlag)

Prof. Christoph Kessler & Regina Rautenberg: Essen für den Kopf. (Südwestverlag)

Dr. Barbara Knab u.Prof.Dr. Hans Förstl: 99 Tatsachen über Ihr Gedächtnis (Trias-Verlag)

Kandel Eric: Auf der Suche nach dem Gedächtnis (Siedler Verlag)

Kandel Eric: Das Zeitalter der Erkenntnis (Siedler Verlag)

Henning Beck u.a.: Faszinierendes Gehirn (Springer Verlag)

Frieder Beck: Sport macht schlau (Goldegg Verlag)

Wolf Singer: Zur Organisation des Gehirns (DVD – Jokers Hörsaal)

Norman Doidge: „Neustart im Kopf“ (Campus Verlag)

Norman Doidge: “Wie das Gehirn heilt” (Campus Verlag)

Dr. Manuela Macedonia: Beweg Dich, und Dein Gehirn sagt Danke (Verlag Brandstätter)

Dr. Sarah Straub: Wohlfühlküche bei Demenz (Riva-Verlag)

Die Nonnenstudie: David Snowdon – Lieber alt und gesund (Blessing)

Bertrand Russell: Philosophie des Abendlandes (Europaverlag)

Jeanne Hersch: Das philosophische Staunen (Piper Verlag)

Hippokrates: Planet Wissen

Orphiker: Wikipedia: Orphiker

Platon: Phaidros – aus den großen Dialogen

Weischedel: Die philosophische Hintertreppe (Platon) -dtv-Verlag

Platon: Bertrand Russell – Philosophie des Abendlandes (Europaverlag)

Nietzsche: Also sprach Zarathustra. Dtv-Verlag

Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse. Anaconda Verlag

Bromberg Marie: Der Körper-Seele-Dualismus in René Descartes “Leidenschaften der Seele”. Grin-Verlag

Wagner Sophie: Wie entwickelte sich das Leib-Seele-Problem von Aristoteles über Descartes. Grin-Verlag

Charles Darwin: Die Entstehung der Arten (Nicol-Verlag)

Walter Hubertus Krause: Philosophikum für Mediziner (Königshausen & Neumann)

Richard David Precht: Erkenne die Welt (Goldmann Verlag).

Richard David Precht: Erkenne dich selbst (Goldmann Verlag).

Umberto Eco: Der Name der Rose (dtv-Verlag)

Dr. Peter Lovatt: Tanz einfach: VAK Verlags GmbH

Bewegung und Kind: Das Kita-Handbuch, herausgegeben von Martin R. Textor

Gehirntraining durch Bewegung: Deutscher Turnerbund (Hrsg.), (Mayer & Meyer Verlag)

Fit im Alter: Froböse, Riedl, Pantel Cavelius (Gräfe und Unzer Verlag)

Anna Trökes, Dr. med. Detlef Grunert: Das Yoga-Handbuch (Nikol-Verlag)

Horst Lutz: Life-Kinetik, Gehirntraining durch Bewegung, (Gräfe und Unzer Verlag)

Sportklettern für Einsteiger und Fortgeschrittene: Schmied, Schweinheim (Bruckmann)

Klettern: Die Königsdisziplin: DAV Kletterzeitung Panorama 6/2016

Starke Muskeln im Alter: Prof. Dr. Henning Wackerhage und M. Sc. Marie Heiber, Riva

Clemson, Munro, Singh u.a.: Aktiv und sicher durchs Leben mit dem LiFE Programm (Springer Verlag)

Fit im Wasser: Mimi Rodriguez Adami (Dorley Kindersley Verlag)

Backes, Maschke, Wihr: Sport und Bewegung für Menschen mit Demenz: (Ernst-Reinhardt Verlag)

Andreas Kosel: Schulung der Bewegungskoordination (Hofmann-Verlag)


2. Quellenangaben zu den Fundstellen im Internet

Die Fundstellen im Internet sind jeweils bei den einzelnen Beiträgen der Website angeführt. Dort können sie im Zusammenhang mit dem Text gleich direkt aus dem Netz abgerufen werden und mit einem Klick ist man zurück in der Website.

Impressum

Publikation:

Ulrich Scheuerl, Sankt Pankrazstr. 18, 83435 Bad Reichenhall

Kontakt: 08651/66524, ulrich.scheuerl@t-online.de

Rechtsform: Privatperson

Inhalt und Gestaltung: Ulrich Scheuerl

Grafik und Design: Martin Köppl, Bad Reichenhall


Bildnachweise

Die Mehrzahl der Bilder wurde von den Bilddatenbanken (unsplash, pexels und pixabay) erworben. Wenige Bilder wurden aus Büchern abfotografiert. Die Verlage wurde davon informiert und dazu angefragt. Der Rest sind eigene Bilder und von Freunden zur Verfügung gestellte.

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Menschen im Alter ohne Alzheimer ist das Ziel

Für das auf Basis dieser Website erstellte Buch wurde mit gezielten Fragen und Antworten der Inhalt des Ratgebers dargestellt und soll nachfolgend hier wiedergegeben werden:

Was ist das für ein Buch?

Es ist ein Erfahrungsbericht meiner täglichen Aktivitäten, wie ich mit einem geschädigten Gehirn geistig fit bleiben kann. „Geschädigtes Gehirn“ hört sich dramatisch an, aber wer heute normal (also ungesund) lebt, muss im Alter damit rechnen. Ergänzt wird das Buch mit vier theoretischen Abschnitten (die Evolution, das Gehirn, die Forschung, die Philosophie).

Ist der Titel des Buches „Demenz ist vermeidbar“ nicht sehr gewagt?

Ja, wenn man sagt, „ich weiß es, wie man Demenz vermeiden kann“, dann klingt das ziemlich vermessen. Zugegeben, wissen tu’ ich es tatsächlich nicht, aber ich kann es spüren. Man spürt es zum Beispiel, wenn man auf einem Bein steht oder im Gelände läuft. Sobald man dabei sicher ist, dann weiß man, die dafür benötigten Netze im Gehirn sind geschlossen. Und je vielseitiger man koordinativ aktiv ist und dabei die Bewegungsabläufe sicher beherrscht, desto deutlicher spürt man, dass das Hirn gesund ist.

Was und wen will das Buch erreichen?

Mit dem Buch will ich alle, besonders aber alte Menschen motivieren, sich regelmäßig zu bewegen und will darüber informieren, welche Aktivitäten besonders wirksam sind, um geistig fit zu bleiben. Das Buch richtet sich nicht an Fachleute, sondern an Laien. Es ist deshalb in leichter Sprache verfasst und der Text mit vielen Bildern veranschaulicht.

Dass Bewegung hilft, ist bekannt. Was ist neu ?

Dass Bewegung für den Körper und den Geist alter Menschen hilfreich ist, das sagen alle. Was aber, wenn sich die ersten Anzeichen von Demenz zeigen? Da gibt es wenig konkretes und was von den Fachleuten für diesen Fall geraten wird, ist oft nicht hilfreich.

Was sind die Vorzeichen einer drohenden Demenz?

Es machen sich explizit vier Vorzeichen der Demenz bemerkbar: Orientierungsprobleme, ein verminderter Gleichgewichtssinn, Vergesslichkeit und Wortfindungsstörungen. Dann, so die These des Buches, sollte man täglich mindestens eine halbe Stunde koordinativ anspruchsvoll aktiv sein. Und zwar vielseitig!

Warum gerade koordinativ anspruchsvoll?

Bewegungen werden bezüglich ihrer Wirkung im Körper in 5 Gruppen eingeteilt:

1. Krafttraining macht Muskeln stark und die Knochen stabil

2. Ausdauertraining macht das Herz stark und schafft ein ausgeglichenes Gemüt

3. Dehnungsübungen machen gelenkig

4. Faszienübungen machen das Bindegewebe geschmeidig

5. Alles koordinativ anspruchsvolle macht geistige Fitness im Gehirn

Muss nicht jede Bewegung vom Gehirn koordiniert werden?

Richtig, jede auch noch so kleine Bewegung muss vom Gehirn koordiniert werden, aber der Koordinationsbedarf ist unterschiedlich. Bei Krafttraining, Ausdauertraining, Dehnungsübungen und Faszienübungen ist der Koordinierungsbedarf eher gering.

Bei den koordinativ anspruchsvollen Aktivitäten steigt die Anforderung an das Gehirn entsprechend, wobei es auch hier wieder große Unterschiede gibt.

Beispiele: Wenig anspruchsvoll ist Laufen im Park. Anspruchsvoll dagegen ist Laufen im unwegsamen Gelände. Wenig anspruchsvoll ist Bergwandern auf Forststraßen. Anspruchsvoll sind dagegen Hochgebirgstouren. Und schließlich, zwischen Spazierengehen und Gehen auf der Slackline könnte der Koordinationsbedarf für das Gehirn nicht größer sein.

Was empfehlen die Fachleute?

Die WHO empfiehlt 3x pro Woche Ausdauersport (moderat) und 75 Minuten Krafttraining (mittlere Intensität). In der Folge raten das dann auch die Fachleute, Ärzte, Ratgeber und die Gesundheitsbehörden. Viele Menschen im Alter halten sich zuletzt auch daran.

Was läuft falsch bei den Forschungen?

Alzheimerforschung ist m.E. von vornherein falsch angelegt. Es wird mit falschen Probanden geforscht. Die Teilnehmer müssen 3x wöchentlich die Ausdauer (altersgemäß) trainieren. Richtig wären Teilnehmer, die regelmäßig koordinativ anspruchsvoll trainieren müssen.

Werden alte Menschen mit den Empfehlungen des Ratgebers „Demenz ist vermeidbar“ nicht überfordert?

Im Alter fühlt man sich schnell überfordert. Besonders, wenn es koordinativ schwierig wird.

Aber es galt nicht herauszufinden, wie es einfach geht, sondern wie es geht !! Im Übrigen, es gibt auch vieles, das niemanden überfordert.

Gibt es nicht schon viele Ratgeber darüber, wie man Demenz verhindern kann?

Mehr oder weniger alle Ratgeber erklären, wie man leben muss, um im Alter nicht dement zu werden. Dieser will erklären, was dann noch möglich ist, wenn man im Alter realistischer Weise befürchten muss, an Alzheimer zu erkranken. Und solche Ratgeber gibt es eher wenige oder empfehlen nach meiner Einschätzung das Falsche.

Was zu tun bleibt – das Fazit


Es besteht kein Zweifel, das Problem der Alzheimer-Krankheit wird uns in den nächsten Jahren “um die Ohren fliegen”. Die zu Pflegenden werden mehr, die Bereitschaft bei den Pflegenden wird weniger und die Kosten explodieren. Es gilt deshalb, das Thema Demenz in der Gesundheitspolitik vom Ansatz her neu zu begreifen. Nicht in der bisher üblichen schicksalsergebenen Art, sondern mit Optimismus, Zuversicht und der Bereitschaft im Alter nicht nur das Herz, sondern auch mit koordinativ anspruchsvollen Aktivitäten das Gehirn trainieren zu können.

Die Bereitschaft, sich zu bewegen, verliert sich in Stufen

Wenn das Gehirn im Alter erst einmal geschädigt ist, bleibt nur noch eins, die Bereitschaft sich zu bewegen. Leider verliert sie sich im Alter und der Trend hin zu koordinativ anspruchsloser Bewegung (Walking, Laufen im Park) ist wohl die Ursache für die steigenden Zahlen bei Alzheimer. Nötig wäre deshalb eine Hinwendung der älteren Generation zu mehr Bewegung und eine Gesundheitspolitik, die sich um Information und Motivation bemüht, wie eine alternde Gesellschaft durch gezielte Bewegung geistig fit bleiben kann. Das ist eine große Herausforderung für die Politik und für jeden einzelnen, aber sie muss begonnen werden. Jetzt!

Die Teufelsspirale langen Lebens

Zuerst sind es die vielen Jahrzehnte, die in den neuronalen Netzen Lücken hinterlassen und Bewegung schwer machen. Dann werden die sportlichen Aktivitäten von Jahr zu Jahr weniger und es beginnt sich die Spirale nach unten zu drehen. Wegen der Lücken in den Netzen werden zuerst die am schwierigsten auszuübenden Aktivitäten aufgegeben. Im Gehirn fehlen dann jene Impulse, die noch zur Erneuerung der Netze hätten beitragen können und so werden die „Schaltkreise der Bewegung“ erneut lückenhafter. In der Folge werden auch die den Geist nur wenig fordernden Aktivitäten aufgegeben und zuletzt verliert sich selbst das Gehen ohne Hilfsmittel. Was dann folgt, ist den Statistiken über die Entwicklung demenzbedingt Pflegebedürftiger zu entnehmen.

Hirngesundheit erhalten:

Wir haben nur ein Gehirn – also sollten wir es nutzen und fördern. Doch vielen Menschen erscheint dieses Organ so kompliziert und fremd, dass sie sich nicht trauen, sich näher damit zu beschäftigen. Was wir während der Entwicklung vielleicht noch als Kinder intuitiv richtig machen, verkehrt sich im Laufe des Lebens meist ins Gegenteil. Wir verhalten uns nicht mehr „artgerecht“, sondern sitzen zu viel, bewegen uns zu wenig und oft nicht richtig, essen schlecht, wiegen zu viel und verbringen viel zu viel Zeit mit sozial media und smart phones, statt den direkten Kontakt zum Nachbarn zu suchen. Laut WHO entspricht Hirngesundheit jenem Zustand, der jedem Individuum die Gelegenheit gibt, „seine kognitiven, sensorischen, motorischen und sozial-emotionalen und verhaltensbezogenen Fähigkeiten, sowie deren Potenziale voll entfalten zu können“. Wir sollten spätestens ab dem 40. Lebensjahr aktiv daran arbeiten, denn dann entscheidet es sich, ob wir einen „dynamischen Zustand von Wohlbefinden, Produktivität, Kreativität und Bewältigung von Lebenssituationen“ auch noch im Alter aufrecht erhalten können.


Genau diejenigen Aktivitäten, die im Alter bevorzugt aufgegeben werden, die sollte man sich bewahren und obendrein für Neues noch offen sein


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6-6. Koordination der Bewegung

Gleichgewicht, Orientierung, Reaktion, Rhythmus

Mit kräftigen Muskeln, gedehnten Bändern, einem gesunden Knochengerüst und einem belastbarer Kreislauf haben wir die Basis für die Bewegung geschaffen. Um aber nicht „ungelenk“ zu sein und erfolgreich Sport treiben zu können, bedarf es noch der geistigen Grundlagen für die Koordination der Bewegung. Nur wenn alles zusammen spielt, sind sportliche Aktivitäten möglich, die auch Freude bereiten. In der Sporttheorie ist die Koordination definiert als das „Zusammenwirken von Zentralnervensystem und Muskulatur innerhalb eines gezielten Bewegungsablaufs“. Man könnte es auch das „Hirn-Muskelsystem“ nennen, das eben so trainiert werden muss wie das „Herz-Kreislaufsystem“.

Kinder erlernen die Koordinationsleistungen spielerisch. Das Problem im Alter ist, wenn sie nicht trainiert werden, gehen sie verloren. Im Detail bewirkt sie im Hirn, dass die Befehle an die Muskeln zeitlich richtig aufeinander folgen und die beteiligten Muskeln von der Anzahl und in der Stärke dosiert abgestimmt aktiviert werden. Klingt kompliziert, ist kompliziert und deshalb gibt es nicht die eine Koordination. Sportfachleute nennen acht koordinative Fähigkeiten. Und weil sie für den Sport und die Bewegung so wichtig sind, seien sie einzeln und im Detail vorgestellt.


Gleichgewichtsfähigkeit

Wenn die Gleichgewichtsfähigkeit verloren geht, drohen die im Alter so gefährlichen Stürze. Nach der Definition gibt es die statische und die dynamische Gleichgewichtsfähigkeit. Die statische bezieht sich auf den Gleichgewichtserhalt in relativer Ruhestellung, die dynamische dagegen auf den Gleichgewichtserhalt im Verlauf komplexer Bewegungsabläufen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Gleichgewichtsf%C3%A4higkeit

Es gibt also nicht die Gleichgewichtsfähigkeit, es gibt derer mehr als ein Dutzend: für jede Muskelgruppe gibt es die statische und die dynamische Gleichgewichtsfähigkeit und es gilt, sie alle zu trainieren.

Im Kindesalter muss für jede Bewegungsart (Gehen, Radfahren, Balancieren) die Gleichgewichtsfähigkeit neu erworben werden. Im Alter sollte jede Gelegenheit genutzt werden, die Balance auf stabilem und wackligem Untergrund zu trainieren. Mit Übung (Körperspannung und Balance) bleibt im Alter die Gleichgewichtsfähigkeit erhalten und mit viel üben kann der Geist dazu gebracht werden, den Körper selbst auf der Slackline in der Balance zu halten.


Differenzierungsfähigkeit

Sie ist die Voraussetzung für die Feinabstimmung einer Bewegung. Bewegungspräzision ist das Stichwort. Zum Beispiel das Zusammenspiel zwischen Auge und Hand, wenn man den Faden in eine Nadel führt. Es läuft ein dauernder Austausch von Informationen über die augenblickliche Position der Hand und die notwendige Stellungskorrektur bis es klappt.

Muskulatur ohne Feinabstimmung ist „eine dumme Kraft“. Tennis als Sportart erfordert diese Feinabstimmung besonders: Kleiner Ball, kleiner Schläger und dazu noch ein relativ kleines Feld sowie hohe Ballgeschwindigkeiten. Das erfordert ein erhebliches Maß an Bewegungspräzision im Bezug auf die Bewegungsgeschwindigkeit und die Bewegungsrichtung. Beinahe jede Sportart trainiert die Differenzierungsfähigkeit.


Die Orientierungsfähigkeit

Der Klassiker bei der Demenz ist der Verlust der Orientierungsfähigkeit. Schon viele Jahre, bevor man nicht mehr vom Bäcker heim findet, beginnt diese Fähigkeit verlorenzugehen. Nach der Definition ist die Orientierungsfähigkeit die Fertigkeit zur Bestimmung der momentanen Lage und wie sich diese durch irgendeine Bewegung des Körpers verändert.

Dabei ist die aktive Wahrnehmung der räumlichen Bedingungen der Handlung von besonderer Bedeutung: Wo bin ich, wo will ich hin und wie mache ich das. Hört sich leicht an, aber beim Klettern ist diese Fähigkeit dann schon ziemlich gefragt. Im Alltag braucht’s die Orientierungsfähigkeit besonders im Straßenverkehr und beim Einkaufen und natürlich in unbekanntem Gelände.


Die Rhythmisierungsfähigkeit

Wenn im Alter die Rhythmisierungsfähigkeit verloren geht, dann werden Bewegungen unsicher und zögerlich. Jede Bewegung hat ihren eigenen Rhythmus und sollte im Alter unbedingt erhalten bleiben. Die Bewegungsqualität, so die Definition, wächst mit dem Erfassen und Umsetzen des Rhythmus einer Bewegung. In allen Sportarten hat die Rhythmusfähigkeit einen wichtigen Anteil daran, wie gut man im Sport wird. Dribbeln können will beim Fußball jedes Kind und beim Langlauf ist es schön zu sehen, wenn die Rhythmisierung klapp.


Umstellungsfähigkeit

Die Umstellungsfähigkeit ist beim Stabhochsprung schön zu erkennen. Um die im Anlauf gewonnene Energie in die Biegung des Stabes zu übertragen muss der Springer in vollem Lauf den Stab in den Kasten treffen und die Füße nach vorne und dann nach oben bringen. Die Energie wird dann vom gebogenen Stab wieder in den Körper zurück übertragen, um ihn mit den Füßen voraus in einer Spiraldrehung nach oben zu katapultieren.

Oben, wenn sich die Flieh- und Schwerkraft die Waage halten, wird von Grob- auf Feinmotorik umgestellt. In Sekundenbruchteilen muss der Springer sich vom Rücken auf den Bauch drehen, den Körper so über die Latte zaubern, dass sie von ihm nicht gerissen wird und gleichzeitig wird dem Stab ein kleiner Schubs nach hinten gegeben. Sodann geht’s wie bei einer Katze nach unten um sich dort nicht das Genick zu brechen.


Die Antizipierungsfähigkeit.

Der „Abstauber“ beim Fußball ist derjenige, der früher als Gegner ahnt, wo er den Ball gleich vor die Füße bekommt. Antizipieren ist also die Fähigkeit, künftige Situationen zu erahnen, um sich rechtzeitig darauf einstellen zu können. Bei allen Ballsportarten, wie beim Tennis, berechnet das Hirn automatisch anhand der Flugbahn und Geschwindigkeit exakt die Stelle, wohin der Ball fliegen wird. Auch in vielen Situationen des Alltags ist die Fähigkeit gedanklich vorweg zu berechnen wichtig. Im Straßenverkehr gar überlebenswichtig, wenn man überholen will oder bei dichtem Verkehr die Straße überquert.

Im Alter kann man es sich deshalb nicht leisten, die Antizipationsfähigkeit zu vernachlässigen. Übungen gibt es genug. Praktisch jede Ballsportart fördert diese Fähigkeit. Federball spielen empfiehlt sich, Übungen mit dem Luftballon sind etwas leichter und Seilspringen trainiert zusätzlich die Ausdauer.


Kopplungsfähigkeit

Die Kopplungsfähigkeit ist die Königin unter den Koordinierungsfähigkeiten. Sie muss zwei, drei oder im Extremfall alle Koordinierungsfähigkeiten an einem Zügel zusammen spannen. Wie kann man sich das vorstellen, was geschieht im Hirn, wenn sie gebraucht wird?

Eigentlich koordiniert sie selbst gar keine Bewegung und ist ein Sonderfall unter den Koordinierungsfähigkeiten. Sie muss „nur“ Netze verbinden. Jede Koordinierungsfähigkeit wird im Hirn auf einem anderen Netz abgewickelt. Sobald eine Bewegung zwei Koordinierungsfähigkeiten erfordert, müssen diese Netze neuronal verbunden, also gekoppelt werden.

Die acht Koordinationsfähigkeiten und wie man sie übt im Überblick: https://www.fitnessagony.de/koordination


Die koordinativen Fähigkeiten sind nicht angeboren und können verloren gehen.

Sie müssen erlernt, weiterentwickelt und immer wieder praktisch ausgeführt werden. Im Kindesalter, natürlich, ist die Lernfähigkeit im Bereich der koordinativen Fähigkeiten besonders groß. 

Im fortgeschrittenen Alter dagegen, wenn der Alltag schon keine koordinativen Herausforderungen bringt, müssen sie gezielt trainiert werden. Ansonsten gehen sie verloren und mit ihnen die Balance, die Orientierung, die Reaktion, der Rhythmus oder die Sicherheit beim Überqueren der Straße. 1

Leider kann man vielen älteren Menschen ihre schwindende Koordinationsfähigkeit an den vorsichtigen und zögerlichen Bewegungen ansehen. Wenigstens einen Teil des Bewegungsdrangs der Kinder sollte man sich deshalb im Alter bewahren.

1 Literatur: Schaller/Wernz: Koordinationstraining für Senioren (Meyer & Meyer Verlag). Im Buch sind viele Übungsbeispiele dargestellt und welche Bedeutung Koordinationstraining für den Alltag hat.

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6-5. Die körperlichen Säulen der geistigen Gesundheit

Muskeln, Bänder, Knochen, Ausdauer

Der Dreh- und Angelpunkt zwischen Körper und Geist ist die Koordination. Jede kör­perliche Aktivität ist verbunden mit mehr oder weniger Hirntätigkeit. Je komplexer die Bewegung, desto anspruchsvoller wird es für den Geist. Selbst zum Lachen braucht es zwanzig Muskeln in Aktion. Das Tanzen ist schon unwahrscheinlich, wenn man sich ausdenkt, was da alles übereingestimmt werden muss: Die Musik, der Tanzpartner, eine unzählige Zahl von Muskeln von den Zehen bis in die Finger. Und für alles ist die ständige Rückkopplung zum Hirn erforderlich, das die Befehle für die ständig nötigen Korrekturen erteilen muss. Eigentlich geht das Tanzen gar nicht, wenn man es nicht besser wüsste.

Vor dem Koordinieren erst zu den körperlichen Voraussetzungen. Bevor etwas koor­diniert werden kann, muss der Körperbau ausgebildet und für den Gebrauch geeignet sein. Das sind die Muskeln, Bänder, Sehnen und Gelenke, die Knochen, der Kreislauf und die Ausdauer.


Die Muskeln

Angeblich besitzt jeder Mensch 656 Muskeln. Ein jeder davon sollte regelmäßig gebraucht bzw. trainiert werden. Man findet sie durch Anspannung. Mit den Zehen eine kräftige Faust gemacht, spürt man die beteiligten Muskeln bis hinauf zum Knie und im Gesicht ist es schon mit kauen, lachen und blinzeln getan. Werden Muskeln nicht benutzt, so kommt es zum Muskelschwund (Atrophie/Sarkopenie). Bei starker Aktivität erfolgt ein Muskelzuwachs (Hypertrophie). Sie gewinnen an Volumen und werden kräftiger. Wichtig für das Thema Demenz ist dabei die Frage, wie steht es mit dem Muskelzuwachs im Alter. Muskeln können immer aufgebaut werden, sagen Fitnesstrainer, und waren sie noch so verkümmert1.

Und im Zusammenhang mit „Demenz und Bewegung“ ist wichtig, dass durch kräftige Muskelbewegungen auch die Knochendichte erhalten bleibt. Und eine höhere Knochendichte wiederum vermindert das Risiko, dass sie bei Stürzen brechen. Starke Muskeln und stabile Knochen machen also genau jene gehirnfordernden, sportlichen Aktivitäten möglich, die eine demenzfreies Altern gewährleisten können.

1 Literaturempfehlung: Starke Muskeln im Alter: Prof. Dr. Henning Wackerhage/Marie Heiber (Riva-Verlag)


Bänder und Sehnen

Die Sehne führt vom Muskel zum Knochen. Das  Band von Knochen zu Knochen um ein Gelenk zu halten. Beide, Sehnen und Bänder dienen dazu, den Körper zu halten und zu bewegen. Sie unterliegen nicht dem Schwund sondern verkürzen sich und verlieren ihre Elastizität, wenn sie nicht beansprucht werden. Gymnastik, Dehnungsübungen und ihr ständiger Einsatz beim Sport verhindern die typischen Alterserscheinungen dieser äußerst wichtigen Mitwirkenden für jede Bewegung. Im Unterschied zu den Muskeln, für die es nicht so leicht eine Übertreibung gibt, sollte man hier die Überbeanspruchung vermeiden. Und wenn man lange nicht trainiert hat oder im Alter wieder loslegen will: Vorsicht! Aufwärmen vor dem Sport mindert das Risiko für Verletzungen. Die Sehnen sind danach belastbarer.


Die Knochen

Die größte Knochenmasse besitzt das menschliche Skelett um das 30. Lebensjahr. Danach beginnt bei jedem Menschen ein kontinuierlicher Knochenabbau (Sarkopenie). Es ist ein ganz natürlicher Prozess. Darüber hinaus gibt es den krankhaften Knochenabbau, die Osteoporose. Die gibt es in jedem Alter und dabei ist das Gleichgewicht zwischen Knochenauf- und Knochenabbau gestört. Wenn der Knochenabbau so weit fortgeschritten ist, dass die Knochen porös und brüchig sind, steigt die Gefahr für Knochenbrüche deutlich an. Dann wird es problematisch für den im Alter so wichtigen Sport. Jeder ist deshalb auch hier selbst gefordert. Damit die Knochen bis ins hohe Alter gesund und stark bleiben, kann man etwas tun. Eine ausgewogene Ernährung, starke Muskeln, viel Bewegung und Aufenthalte in der Sonne fördern den Knochenstoffwechsel. Schlagworte, die jeder Mediziner bestätigt.


Kreislauf und Ausdauer

Keine Zeit! Oft scheitert’s daran. Studien sagen aber, dass schon zehn Minuten täglich für ein gutes Ergebnis sorgen. Zwei Trainingseinheiten in der Woche sind notwendig, wenn man einen schon erreichten Stand halten will. Was für den Kreislauf zu tun ist, weiß jeder: Bewegung, was sonst. Sie zählt zu den besten Möglichkeiten, wirkungsvoll die Ausdauer zu trainieren und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Der große Vorteil von Ausdauersport: Er kann in jedem Alter begonnen werden. Die klassischen Trainingsarten sind schnelles Gehen, Laufen und jeder Sport, der den Puls beschleunigt. Sportarten, für die zwei oder mehrere Muskelbereiche aktiviert werden müssen, sind zwar anstrengender, aber dafür auch geistreicher. Beispiele sind Tennis spielen im Sommer und Langlaufen im Winter.

Um den Ausdauersport so zu betreiben, dass damit gleich auch das Hirn gefordert wird, sollte man nicht die geteerten Wege nehmen. Im holprigen Gelände, dort wo es über Stock und Stein geht, wirkt das Ausdauertraining doppelt: Für das Herz und für das Hirn.


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6-4. Übungsbeispiele für die Geschicklichkeit der Hände

Die Kraft des ganzen Gehirns
Knie Nase Ohr:

Zum Einstieg ganz einfach ist die Übung: Knie – Nase – Ohr. Also: im Sitzen mit beiden Händen zwei mal auf die Knie tippen und ohne zögern fasst die rechte Hand das linke Ohr und die linke Hand die Nasenspitze. Beim nächsten mal die linke Hand ans rechte Ohr und die rechte an die Nasenspitze. Und so weiter bis es automatisch auch hundert mal hintereinander geht.


Hase und Jäger:

Mit der linken Hand bilden Zeige- und Mittelfinger den Hasen. Die rechte Hand bildet mit Daumen und Zeigefinger den Jäger. Und zwar so, dass der Jäger Richtung Hasen zielt. In möglichst schneller Folge wechseln dann die Hände ab. Einmal links der Hase, einmal rechts der Hase.


Fingerklavier:

Daumen und Zeigefinger werden links aufeinander gelegt (1), Daumen und kleiner Finger rechts (2). Dann wandern links der Mittel, Ring- und kleiner Finger auf den Daumen und rechts geht’s umgekehrt vom kleinen Finger über Ring- und Mittel- auf den Zeigefinger. Ergebnis: Jetzt liegt links der kleine Finger auf dem Daumen und rechts der Zeigefinger auf dem Daumen. Mit Übung klappt es in schneller Folge.


Der Parallelball:

In der Ausgangsposition halten beide Hände jeweils einen Jonglierball (1). Diese werden gleichzeitig und parallel ca. 20 bis 30 cm nach oben geworfen (2). Während die Bälle in der Luft sind, die Unterarme überkreuzen und mit überkreuzten Unterarmen die Bälle wieder fangen (3). Die Bälle werde dann erneut parallel nach oben geworfen und jedes mal, wenn die Bälle in der Luft sind, werden die Unterarme abwechselnd geöffnet und gekreuzt.

Jonglieren

Selbst mit einem Ball gibt es Übungen, die das Gehirn in ordentlichen Koordinationsstress versetzen: 1. Mit einer Hand wird der Ball nach oben geworfen, dann kurz in die Hände geklatscht und die andere Hand fängt den Ball auf. Und das gleiche wieder zurück: werfen, klatschen, fangen. 2. Steigerungen beim Jonglieren sind viele möglich: werfen, zweimal kurz in die Hände klatschen, fangen. Oder werfen, dann beide Hände auf die Oberschenkel klatschen, fangen. Üben, üben, üben!


Ziel: jonglieren mit 3 Bällen

Mit einem Ball zu jonglieren ist der erste Schritt, „richtig“ jonglieren zu lernen. Wenn das Werfen und Fangen im Rhythmus klappen und dazwischen die Hände noch Einlagen vollführen, dann geht es auch bald mit dem zweiten Ball. Und das Ziel ist natürlich, schon nach einigen Wochen mit drei Bällen zu jonglieren. Die passende Anleitung dazu gibt es im Netz bei Youtube


Das entscheidende für das Gehirn ist übrigens nicht das Können, sondern das Lernen. Täglich ein paar Minuten zwingen es, ganz neue Netzverbindungen zu schaffen und damit ist der Zweck der Übung schon erfüllt.

Zwei Hände, zwei Aufgaben:

1. Die rechte Hand wirft einen Ball nach oben und gleichzeitig „malt“ die linke Hand mit einem Tuch einen Achter in die Luft (1 und 2). Konzentrieren sollte man sich auf das Ball werfen und fangen. Wenn es klappt, wechseln sich die Hände ab.


Dual-Task-Übungen

Bis heute weiß man nicht genau, welche Art des sportlichen Trainings positive Effekte im Gehirn verursacht. Man weiß es nicht, aber Dual-Task-Aufgaben könnten solche Übungen sein. Beim Dual-Task-Training werden sowohl die Gleichgewichts- als auch die Koordinationfähigkeit trainiert (Beispiel 1). Oder aber es werden einfache rhythmische Bewegungen ausgeführt und dabei eine koordinative Übung ausgeführt und obendrein (als drittes) der Geist gehörig gefordert (Beispiel 2).

Dual-Task Beispiel 1: Balance und Geschick

Storchenstand und Jonglieren

Die Übung, so komplex sie auch aussieht, ist eigentlich nur eine Herausforderung an den Trainingsfleiß. Zum einen wird die Balance durch den sogenannten Storchenstand trainiert und zum anderen die Geschicklichkeit der Hände. Wenn beides erfolgreich gelernt ist, dann ist es nicht mehr schwierig, es zugleich auszuüben. Das Gehirn wird gezwungen, die nötigen neuronalen Schaltkreise zum Erhalt der Balance und zur Koordination der Hände zu knüpfen.

Dual-Task Beispiel 2: Venenpumpe mit Fingerübung und Gedicht aufsagen

Das Highlight unter den Dual-Task-Aufgaben ist das folgende Übungsprogramm:

1. Zuerst einfach nur abwechseln mit dem linken und dem rechten Fuß auf die Fußspitze rollen (Venenpumpe, linkes Bild) und das im Rhythmus weitermachen.

2. Im Rhythmus der Beine wird dann mit den Händen das sogenannte Fingerklavier gespielt: also mit dem Daumen in der Folge auf die 4 Finger gerückt und mit der anderen Hand ebenso, aber gegenläufig (rechtes Bild). Nähere Erläuterung s.o. bei den Life-Kinetik Fingerübungen.

3. Wenn das mit den Füßen und Fingern gleichzeitig nach einigem Üben gut funktioniert, kommt als Drittes noch die geistige Aufgabe dazu. Zum Beispiel ein Gedicht aufsagen: im gleichen Rhythmus der Beine und den Fingern werden die Silben des Gedichtes gedanklich oder laut gesprochen.

Solche Übungen sind im Übrigen keine „Spielerei“. Dual-Task-Aufgaben sind für das Gehirn wichtige Herausforderungen, die speziell auch mit körperlichen Einschrän­kungen möglich sind. Also Bewegungsmuster für alle, um der Demenz etwas entge­gen zu setzen.

Dual-Task Bespiel 3: Hula Hoop und Jonglieren
Bewegung und Geschick

Hula Hoop und Jonglieren in einem fordern das Gehirn gleich doppelt. Es muss die Bewegung organisieren, so dass der Reifen nicht zu Boden fällt und gleichzeitig die Hände so koordinieren, dass die Bälle (hier zwei Jonglierbälle) schön rund zirkulieren. Dass beides gleichzeitig auszuführen nur gelingen kann, wenn die Netze im Gehirn intakt sind, versteht sich.

Übersicht: 6. Abschnitt

6-3. Die Bedeutung der Geschicklichkeit der Hände

Geniestreich der Evolution


Die Geschicklichkeit und Koordinationsfähigkeit der Hände sind ähnlich den Balanceübungen zu bewerten. Als die Hände mit dem aufrechten Gang zum ersten mal bei einem Lebewesen frei wurden, waren sie nur für grobe Arbeiten geeignet. Zuletzt wurden deren Fertigkeiten aber so verfeinert, dass selbst chirurgische Arbeit ausgeführt und sehr schnell zu spielende Klavierstücke gemeistert werden können. Dies alles wurde nur deshalb möglich, weil sich die neuronalen Schaltkreise im Bewegungszentrum des Gehirns (Motorkortex) verfeinerten. Übungen für die Fertigkeit der Hände sind für den Erhalt des Geistes im Alter deshalb ebenso unabdingbar wie die Balance.

Bewegungszentrum (Motorkorteex) im Gehirn: https://de.wikipedia.org/wiki/Motorcortex

Unterschiedliche Wirkungen von Balance-, und Geschicklichkeitsübungen im Motorcortex

Balance und Geschicklichkeit haben speziell im Motorkortex des Gehirns zwei unterschiedliche Wirkungen. Durch Balanceübungen werden dort weiträumige Netze gebildet. Weiträumig deshalb, weil für die Balance der Koordination die 656 weit auseinander liegende Muskeln das gesamte Areal beansprucht werden. Naturgemäß sind diese Netz aber nur „grobmaschig“ geknüpft.


Durch Geschicklichkeitsübungen dagegen werden im Motorkortex die feinmaschigen Netze gebildet. Deren Aufgabe ist die Koordination für die jeweils nur die wenigen Muskeln (z.B. die der Hände), etwa um zu Jonglieren oder eine Torte zu verzieren.

Wirkung von Koordinationsübungen

Und wieder eine andere Wirkung haben die Koordinationsübungen. Sie bewirken, das alle Gehirnareale gut verbunden sind. Zwischen rechter Gehirnhälfte für die linke Hand und linker Gehirnhälfte für die rechte gibt es nicht weniger als 300 Millionen neuronale Fäden, die Klavierspielen erst möglich machen. Und damit das ganze Gehirn in optimaler Weise für alle Bewegungs- und Denkvorgänge funktioniert, gibt es solchen Verbindungsnetze (Stammstrecken) auch zwischen den oberen und unteren sowie den vorderen mit den hinteren Gehirnarealen.

Welche Bedeutung diese Verbindungen zwischen den einzelnen Gehirnregionen haben, lässt sich an Beispielen darstellen, die den Unterschied zwischen intakten und gestörten „Stammstrecken“ auf anschauliche Weise darstellt:


Wenn das Auge etwas erblickt, dann sind das zuerst einmal nur einzelne helle, dunkle und farbige Flecken. Diese werden über Nervenbahnen in den visuellen Cortex im hinteren Bereich des Gehirns geschickt. Dort wird dann das eigentliche Bild erzeugt und dieses wiederum über die Stammstrecken zu den einzelnen Arealen weitergeleitet.


So wird das im visuellen Cortex erzeugte Bild zum Motorcortex (Bild) geschickt. Etwa um die Flucht vor einem gefährlichen Tier zu koordinieren. Oder in den präfrontalen Cortex des Frontallappens (Bild), der für Aufmerksamkeit, Nachdenken und Entscheidungsfindungen zuständig ist, wenn zum Beispiel auf dem Bild eine Weggabelung zu sehen ist.

Und natürlich wird das erzeugte Bild auch in den Hippocampus geschickt, der als Koordinator für unsere Erinnerungen fungiert. Gestörte Verbindungsleitungen zwischen dem visuellen Kortex und dem Hippocampus führen im Extramfall dann zu Fehlinterpretationen: ist das meine Frau, die mir da gegenübersteht oder vielleicht etwa meine Mutter?


Die 5 Sinne beieinander? Ob man „alle fünf Sinne beinander hat“, hängt sehr davon ab, ob die neuronalen Verbindungen zwischen den Gehirnarealen intakt sind. Immer wenn beide Hände unterschiedlich koordiniert werden müssen, werden diese Verbindungen so gestärkt, dass man für die geistigen Aktivitäten das gesamte Gehirn optimal nutzen kann.


Schön zu sehen und großen Spaß macht es, die Geschicklichkeit und Koordinationsfähigkeit der Hände bei Youtube unter komplexe Herausforderungen anzuschauen.

Nachfolgend werden beispielhaft Geschicklichkeitsübungen und Übungen der Life Kinetik dargestellt. Viele weitere Übungen findet man in der einschlägigen Literatur und im Netz.

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